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All posts by Vincentius Lerinensis

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Apropos Sacrum Triduum: Eigentlich ist das Sacrum Triduum sowas wie ein Festival. Ein cooles Festival, ja das coolste Festival des Jahres:

  • Es geht über drei Tage.
  • Es beginnt Donnerstag abend und endet am Sonntag.
  • Der abendliche/nächtliche Krach (z.B. Glockenläuten) geht den Nachbarn auf die Nerven.
  • Es gibt Headliner (Abendmahlsmesse, Karfreitagsliturgie, Osternacht, Osterhochamt).
  • Es gibt Vorbands (Karmetten, Ölbergstunde).
  • Es gibt ein Vorglühen (Fastenzeit, Palmsonntag, Kartage).
  • Es gibt ein Nachglühen (Ostervesper, Ostermontag, Osteroktav, Osterzeit, Pfingsten).
  • Es gibt „Show“-Elemente, die man nur hier erleben kann (special presentation: Kreuzverehrung, Verstummen der Orgel, Klappern, Osterfeuer, Exsultet…; wenn man Glück hat, sogar die Improperien.)
  • Schlaf ist fakultativ.
  • Hinterher braucht der Nicht-Mehr-Jugendliche die eine oder andere Woche Urlaub.

Besonders cool machen es aber die Unterschiede:

  • Die Festivallocation ist in angenehmer Entfernung, was das Campen überflüssig macht.
  • Es gibt keine Assis, die schon vor dem ersten Gig knülle besoffen in der Ecke liegen oder, noch schlimmer, nur da sind, um cool zu tun, aber nicht wegen der Musik, und nie ihr Camp verlassen.
  • Der absolute Festivalheadliner „spielt“ in der Nacht zu Sonntag je nach Tagesform zwei bis zweieinhalb Stunden oder (mit Erwachsenentaufen) auch länger.
  • Die Aftershow-Party (oder das Äquivalent zur „Metal-Disco“) dauert nicht nur bis in die frühen Morgenstunden (für die, die wollen: Ganznachtfeier der Mutter aller Vigilien bis zum Sonnenaufgang), sondern geht bis in den spätern Sonntagnachmittag (Ostervesper).
  • Emotionale Berg-und-Tal-Fahrt, wie sie keine andere Running Order hinkriegt.
  • Tagtägliches intimes Meet & Greet mit dem Festivalorganisator und -chef (für die, die auf dem Schlauch stehen: Kommunion).
  • Es ist nicht (nur) Show. Es ist wahr.

Further Reading: Die längste Messe der Welt

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Sacrum Triduum – Karfreitag

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Es ist Kardonnerstag. Ja, ich weiß, daß überall[tm] Gründonnerstag steht. Stimmt aber nicht (ganz).

Denn der Gründonnerstag gehört (liturgisch) bereits zum Karfreitag und bezeichnet seinen Vorabend. War mir lange auch nicht klar, und infolgedessen verstand ich nicht, warum das Sacrum triduum aus vier Tagen besteht. Tut es aber nicht, da der Gründonnerstag kein eigenständiger Tag, sondern „nur“ der Vorabend von Karfreitag ist.

Klar wurde mir das erst durch das Stundenbuch. Das trennt nämlich zwischen der Non des Donnerstags der Karwoche und der Vesper von Gründonnerstag. Und diese Trennung besteht vor allem in der Überschrift „Die drei österlichen Tage vom Leiden, vom Tod und von der Auferstehung des Herrn“:

  1. Leiden: Karfreitag
  2. Tod: Karsamstag
  3. Auferstehung: Ostersonntag

Direkt nach dieser Überschrift folgt die Unterüberschrift „Gründonnerstag oder Hoher Donnerstag“, der ausschließlich aus der Vesper besteht, die zudem nur von den armen Schweinen wie mir gebetet wird, die wegen kleiner Kinder (oder aus anderen Gründen) nicht an der Messe vom Letzten Abendmahl teilnehmen können. Ok, und der Komplet.

Die Verwirrung kommt wahrscheinlich daher, daß es mal (zwischendurch) zwei Triduen gab, nämlich das Leidenstriduum (Gründonnerstag, Karfreitag, Karsamstag) und das Auferstehungstriduum (Ostersonntag, Ostermontag, Osterdienstag). Letzteres ergibt aber einfach keinen Sinn, denn von Ostersonntag bis zum Weißen Sonntag ist schon Osteroktav.

Wozu ein Triduum in der Oktav? Wahrscheinlich weil das mit dem Triduum von Gründonnerstag bis Ostersonntag nicht mehr klar war, also genau aufgrund der Frage, warum das Triduum vier Tage umfasse. Tat es aber gar nicht, sondern der Karfreitag beginnt (wie jedes Hochfest) mit dem Vorabend. Seit der Wiederherstellung des klassischen Triduums durch Papst Pius XII. 1951 (siehe auch hier) droht hingegen der Karsamstag als wesentlicher Bestandteil des Triduums unter den Tisch zu fallen (drei Tage? Also Gründonnerstag, Karfreitag, Ostersonntag! – NEEEEEEIIIIIIN!!!11111einself).

Um den Karsamstag angemessen aufzuwerten, kann ich nur die Karmette empfehlen (z.B. bei uns in Eisenach am Karsamstag und 8.30 Uhr). Seit ich die kennengelernt habe, möchte ich sie nicht mehr missen, denn von ihr her kriegt der Karsamstag als fast, aber eben nicht ganz a-liturgischer Tag sein eigenes Gepräge, das ihn als vollen und bedeutsamen Tag des Triduums heraushebt.

P.S.: Eigentlich reicht bereits der Schott. Denn die Missa Chrismatis steht auch dort unter Donnerstag der Karwoche. Da die aber meistens schon am Kardienstag gefeiert wird, rutscht das leicht durch.

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In den letzten Wochen bin ich beim Verfassen meiner Posts immer wieder an eine Grenze gekommen, so daß die Posts nie fertig wurden und mein Vorrat an verwertbaren Entwürfen inzwischen so ziemlich gegen Null tendiert.

Die Grundidee, an der ich mich abgearbeitet habe, betrifft einige merkwürdige Phänomene, die ich in der Kirche beobachten konnte. In allen diesen Situationen und in, wie mir scheint, immer mehr weiteren (ja, ich bin paranoid), erreiche ich gedanklich einen Punkt, an dem ich merke: So kommst Du nicht weiter. Du kannst diese Phänomene zwar auf den Punkt bringen, das wird aber nichts ändern. Es läßt sich einfach nichts ändern, zumindest nicht, indem man die konkreten Probleme direkt angeht: Es handelt sich um einen „Catch 22“.

„Catch 22“ ist ursprünglich ein Anti-Kriegsroman des Amerikaners Joseph Heller. Das Buch ist, wie ich finde, ausgesprochen anstrengend zu lesen, was wohl daran liegt, daß es die Sinnlosigkeit der beschriebenen Ereignisse und Umstände auch in der literarischen Gestaltung der Erzählung zum Ausdruck bringt. Ich bin froh, das Buch gelesen zu haben, ob ich es empfehlen kann, bin ich mir nicht so sicher.

Von diesem Buch ausgehend hat sich der Begriff „Catch 22“ im Englischen für Situationen, wie sie im Buch beschrieben werden, eingebürgert. Die deutsche Wikipedia nennt diese Situationen „Dilemmata“, das ist mindestens ungenau. Ein Dilemma ist eine Situation, in der ich, egal wie ich mich entscheide, etwas falsch mache. Bei einem „Catch 22“ kann ich zwar nichts richtig machen, aber das liegt nicht daran, daß ich etwas falsch mache, sondern daß die Situation so konstruiert ist, daß unabhängig von meiner Entscheidung das angestrebte Ziel schlicht nicht erreicht werden kann.

Das erste und bekannteste Beispiel für einen „Catch 22“ aus dem Buch ist eine Regelung, nach der wahnsinnige Piloten keine Angriffe fliegen dürfen, sondern von der Front abgezogen werden müssen. Einzige Voraussetzung dafür ist, daß der Pilot eine psychologische Untersuchung beantragt. Der „Catch“ dabei ist, daß die Beantragung dieser Untersuchung zeigt, daß er völlig gesund ist, denn nur ein Wahnsinniger würde Angriffe fliegen wollen. Infolgedessen kann der Gesunde nicht vorspiegeln, geisteskrank zu sein, und der Wahnsinnige kann nicht nach hause geschickt werden, weil er sich selbst ja nicht für wahnsinnig hält und entsprechend keinen Antrag stellen wird, und selbst wenn sich ein Wahnsinniger selbst für wahnsinnig hielte und einen Antrag stellte, würde ihm das als eindeutiges Zeichen geistiger Gesundheit ausgelegt.

Ein Catch 22 drückt sich also in der Unmöglichkeit aus, systemkonform ein Ziel, das das System als mögliches vorspiegelt, erreichen zu können. Ein (moralisches) Dilemma hingegen ist eine Situation, in der zwei absolute Werte miteinander konkurrieren, in der also die Güterabwägung nicht mehr funktioniert, um zu einer klaren Entscheidung zu kommen. Am ehesten vergleichbar ist ein Catch 22 daher mit dem Passierschein A38 aus „Asterix erobert Rom“ oder dem „Was?! Ihr müßt mir doch eine Chance lassen da raus zu kommen! Also gut, ich bin der Messias!“ aus dem „Leben des Brian“.

Allerdings ist der Catch 22 deutlich brutaler. Asterix kommt an den Passierschein A38, indem er den Spieß umdreht und nach Passierschein A39 fragt. Ein Catch 22 kann zwar anfangs noch solche Lücken haben, sie werden aber geschlossen werden und sind nicht systemimmanent wie bei Asterix. So auch im Buch: Ein Soldat entdeckt, daß er den schützenden Rang eines Private First Class auch nach einer Beförderung durch unerlaubtes Entfernen von der Truppe, das eine Degradierung nach sich zieht, immer wieder erreichen kann – bis eben diese Lücke als solche erkannt und geschlossen wird. Brian kann sich verbergen, die Volksmenge hat keine direkte Macht über ihn, und daß er am Ende am Kreuz endet, hat nichts mit der Messiasfrage, sondern mit der Beteiligung an einem terroristischen Akt zu tun. Beide Varianten sind bei einem Catch 22 nicht möglich. Egal was Du machst, egal wie Du Dich entscheidest, die gestellte Aufgabe ist nicht lösbar, denn es gibt nicht nur keine Möglichkeit, die gestellte Bedingung zu erfüllen, die Bedingung selbst ist vielmehr völlig unsinnig: die Bedingung, um „Ziel“ erreichen zu können, besteht in „Nicht-Ziel“.

Und so gelingt es Hauptmann Yossarian, dem Antiheld von Catch 22, schließlich eher zufällig, weiteren Angriffsflügen zu entgehen, indem er zur Strafe zum Major mit Innendienstbeschreibung befördert wird. Denn jede andere Form von Bestrafung würde ihn von der Front abziehen, und dann könnten andere Piloten auch auf die Idee kommen, sich einfach zu weigern, Angriffe zu fliegen. Klingt unlogisch, ist es auch (wie der ganze Catch 22), denn es geht ausschließlich darum, den „Rebellen“ und „Abtrünnigen“ wieder ins System zu integrieren, indem man ihm gibt, was er will, ohne es explizit zu tun. Es wird also das individuelle Interesse ausnahmsweise erfüllt, um die Moral der Truppe im ganzen aufrecht zu erhalten. Und so zeigt sich der Catch 22 in einer Situation im Buch auch als das, was er tatsächlich ist: als blanke Ausübung von Macht.

Wie aber kommt man da raus? Die Antwort lautet: gar nicht. Es gibt aus einem echten „Catch 22“ keinen Ausweg, denn ein echter „Catch 22“ besteht gerade in seiner Alternativlosigkeit. Der Catch 22 ist zunächst eine reine Illusion, die die Ausübung der Macht gleichermaßen verschleiern wie absichern soll, und funktioniert selbst dann noch, wenn man ihn als solchen durchschaut hat, da er dann die Sinnlosigkeit des Versuchs offenbart, sich gegen den Catch 22 zu wehren.

Genau an diesem Punkt kam ich einfach nicht weiter. Es kann doch nicht sein, und es darf nicht sein, daß ich da wirklich nicht rauskomme, daß ich immer verliere. Und dann kam da der heutige Tagesheilige, Papst Johannes Paul II., ins Spiel. In der zweiten Lesung der Lesehore, die seiner Ansprache zu Beginn des Pontifikats entnommen ist, heißt es:

[Die Herrschaft des Herrn hat] ihre Ursprünge nicht in den Mächten dieser Welt, sondern im Geheimnis des Todes und der Auferstehung… Die uneingeschränkte und doch milde und sanfte Herrschaft des Herrn ist die Antwort auf das Tiefste im Menschen, auf die höchsten Erwartungen seines Verstandes, seines Willens und Herzens. Sie spricht nicht die Sprache der Gewalt, sondern äußert sich in Liebe und Wahrheit. […] Habt keine Angst, Christus aufzunehmen und Seine Herrschergewalt anzuerkennen! […] Habt keine Angst! Öffnet, ja reißt die Tore weit auf für Christus! […] Habt keine Angst! Christus weiß, ‚was im Innern des Menschen ist‘. Er allein weiß es! Heute weiß der Mensch oft nicht, was er in seinem Innern, in der Tiefe seiner Seele, seines Herzens trägt. Er ist deshalb oft im Ungewissen über den Sinn seines Lebens auf dieser Erde. Er ist vom Zweifel befallen, der dann in Verzweiflung umschlägt. Erlaubt also … Christus, zum Menschen zu sprechen! Nur Er hat Worte des Lebens, ja des ewigen Lebens!

Da ging mir auf: Der Catch 22 basiert auf der erbsündlichen Verfaßtheit weltlichen Denkens, auf der Angst vor dem Tod, auf dem Streben nach Ehre, Anerkennung, dem Wunsch, etwas zu gelten – und nutzt diese brutal aus. Im Buch funktioniert der Catch 22 genau deshalb, weil die Soldaten Angst vor dem Tod haben (und jeder, der keine Angst vor dem Tod hat, wird als wahnsinnig dargestellt). Die Frage aber, ob der Krieg tatsächlich gerechtfertigt, ja vielleicht sogar notwendig ist (und wir reden hier immerhin vom Zweiten Weltkrieg), auch wenn es vielleicht nicht jeder einzelne Angriff ist, und ob das ständige Heraufsetzen der Flugzahl, bevor man auf Heimaturlaub darf, vielleicht aus Personalmangel tatsächlich notwendig ist, um den Krieg führen und gewinnen zu können – das alles spielt im Buch überhaupt keine Rolle. Es beginnt bereits mit dem Versuch, aus der (vorausgesetzten) Sinnlosigkeit des Sterbens auszubrechen.

Das Sterben in Christus aber ist nicht sinnlos. Die im Buch behandelte Sinnlosigkeit findet ihre Antwort tatsächlich in Christus, der dem nach weltlichen Maßstäben sinnlosen Leben einen Sinn geben kann. Nicht im Sinne einer Vertröstung auf das Jenseits, sondern in dem Sinn, daß er die Wahrheit und Gerechtigkeit als Maßstäbe erkennen läßt, für die es sich lohnt, Leib, Leben, Anerkennung, Würdigung, Bedeutung hin- und aufzugeben, weil Er selbst sie ist. Wer in Christus stirbt, dem wird das Leben nicht entrissen, er gibt es hin; wer in Christus stirbt, dem wird das Leben nicht genommen, sondern gewandelt.

Sicherlich ergibt das alles nur Sinn, wenn ich davon ausgehe, daß die Wahrheit und die Gerechtigkeit sich letztlich durchsetzen werden. Und der einzige Garant dafür ist Jesus Christus selbst. Sich gegen all die Catches 22 zu wehren, geht nur aus der Beziehung und Liebe zu Jesus Christus. Die Wahrheit wird euch frei machen: Wer (wirklich) in Christus lebt, ist für die weltliche Macht uneinnehmbar geworden, da er weder mit Drohungen noch mit Versprechungen korrumpierbar ist – zumindest solange er sich nicht wieder dieser Macht unterwirft.

Lebe ich mit Christus, springe ich nicht mehr über jedes Stöckchen, das mir hingehalten wird, ich kümmere mich um das, was (mir) wirklich wichtig ist, und ich entziehe mich dem Zugriff der Macht auf eine Weise, die die Logik der Macht schlicht nicht verstehen kann. Zugleich führt diese Freiheit aber notwendig in Verachtung, Ausgrenzung und vielleicht sogar Verfolgung; gerade weil ihr mit der Logik der Macht nicht beizukommen ist. Und die Verachtung, Ausgrenzung und Verfolgung erfolgt besonders da, wo es mir am meisten weh tut (wie ich im letzten halben Jahr mehrfach schmerzlich feststellen mußte). So ist das Leben mit Christus kein Zuckerschlecken. Es wird erst so richtig zum Kampf, zum Kampf aus der immer schlechteren Position, immer bergauf, aber es ist ein Leben in Freiheit, vor allem auch innerer Freiheit, in Identität mit sich selbst. Leiden tut immer weh, aber Leiden mit Christus kann die Welt verändern (aber eben nicht, indem die Probleme direkt angegangen werden), vor allem aber den mit Christus Leidenden befreien.

Habt keine Angst! Öffnet die Türen für Christus!

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Mir hat’s letztens ziemlich die Sprache verschlagen. Obwohl die die Frage nach der Wahrhaftigkeit nur eine für den Punkt, den ich rüberbringen wollte, untergeordnete Rolle spielte, war es einem der Gesprächsteilnehmer offenbar wichtig, seine Meinung dazu (als Tatsachenbehauptung) einzubringen: „Man kann nicht immer wahrhaftig sein, man muß Kompromisse machen. So ist das im Leben, ja, das ist Leben.“

Es mag sein, daß er meinen eigentlichen Punkt nicht verstanden hatte. Der bezog sich darauf, daß apokalyptische Gefühle ihren Auslöser darin haben können, daß jemand gerade von denen, die seine eigenen Werte geprägt haben, in einem Wertekonflikt im Stich gelassen wird. D.h. daß z.B. Eltern von ihrem (inzwischen erwachsenen) Kind in einer konkreten Situation eine andere Prioritätenreihenfolge fordern, als das Kind von ihnen gelernt zu haben meint. Dabei ist es längst zu einem klaren Gewissensurteil gekommen, fühlt sich diesem verpflichtet und sucht nun bei den Eltern moralische Unterstützung – und wird im Stich gelassen. Im konkreten Beispiel ging es darum, ob eine nicht unwesentliche ungesetzliche Vorgehensweise des Vorgesetzten gegenüber dessen Vorgesetzten auch in der Probezeit anzuzeigen ist, also um Wahrheitsforderung vs. persönliche Vorteile (Stelle behalten; denn daß im Falle einer Anzeige noch während der Probezeit die Kündigung zu erwarten war, stand fest). Wie gesagt, es ging dabei nur indirekt um die Wahrheitsforderung, primär um das unbedingt verpflichtende, längst feststehende Gewissensurteil – und die Enttäuschung, gerade von denen mit der das Gewissensurteil verletzenden Handlungsforderung konfrontiert zu werden (Klappe halten!), denen man es zuletzt zugetraut hätte. Und es mag sein, daß der Gesprächsteilnehmer das so nicht verstanden hatte.

Warum mich das so sprachlos gemacht hat, hat verschiedene Gründe. Einer ist, daß ich selbst einmal in einer Situation war, in der ein Vorgesetzter eine an sich ungesetzliche Forderung stellte. Es war damals für alle Beteiligten (selbst für den durch den Vorgesetzten vertretenen Arbeitgeber) die bequemere Lösung, es ging auch nicht um wirklich schwerwiegende Materie, und konkret wurde auch der Arbeitgeber nicht geschädigt, was aber im Falle einer deutlichen Verkomplizierung der Situation hätte eintreten können. Allerdings gab es keinen anderen Anlaß, von der gesetzlichen Regelung abzuweichen, als eben die Bequemlichkeit, die bürokratischen Folgen der gesetzlichen Regelung (die allerdings die Personalabteilung hätte ausbaden müssen) zu vermeiden. Wer in einer solchen kleinen Materie aus Bequemlichkeit die Regeln bricht, der wird wohl kaum im Falle eines gewichtigen Gewissenskonflikts seinem Gewissen folgen.[1]

Was mich also letztich so sprachlos gemacht hat, war nicht die Aussage, daß man im Leben manchmal Kompromisse schließen muß, sondern die Bestimmtheit und, ja, der Zynismus, mit dem das Leben als „Kompromisse hinsichtlich der Wahrheit machen“ definiert wurde. Vielleicht ist das alles falsch verstanden, ich will der konkreten Person hier keinen Vorwurf machen, es geht mir gar nicht um diese Person. Sondern es geht mir um die ja tatsächlich weit verbreitete Einstellung, daß man ja in kleinen Dingen schonmal Kompromisse hinsichtlich der Wahrhaftigkeit eingehen kann.

Dabei will ich gar nicht bestreiten, daß eine absolute Wahrhaftigkeitsforderung in Ausnahmesituationen unmenschlich wird.[2] Aber eben als Ausnahme, nicht als Regel, und in großen Dingen, nicht in den kleinen: z.B. in Dilemmasituationen, in denen verschiedene absolute Werte miteinander kollidieren, nicht in Situationen, in denen es unbequem ist, z.B. die Steuererklärung nach bestem Wissen und Gewissen zu erstellen, obwohl klar ist, daß der kleine Trick, den man da zu seinen Gunsten einbauen könnte, überhaupt nicht als fehlerhaft auffallen, geschweigedenn nachweisbar sein würde.

Sicherlich gibt es einen Unterschied zwischen der direkten Lüge und dem Verschweigen der Wahrheit. Das Verschweigen kann eher gerechtfertigt sein als die direkte Lüge, insbesondere wenn das Verschweigen der Schwäche des Gegenüber geschuldet ist, es also nicht um eigene, sondern um fremde Vorteile geht. Da mag es mitunter sogar von Vorteil sein, die ganze Wahrheit lieber in kleinen Häppchen zu servieren. Jedoch sollte man sich immer bewußt bleiben, daß es hier auch schnell wieder die eigene Bequemlichkeit sein kann, die nach Ausreden sucht: Wird das Verschweigen zur Regel, dann dürfte wohl eher die eigene Konfliktscheu als die Schwäche des Gegenübers ausschlaggebend sein. So richtig christlich ist jedenfalls beides nicht. Die direkte Lüge verbieten schon die 10 Gebote, die Bergpredigt hingegen verabsolutiert die Wahrheitsforderung: „Euer Ja sei ein Ja, euer Nein ein Nein; alles andere stammt vom Bösen“ (Mt 5,37; dem griechischen Text dieses Verses ist der Blogposttitel entnommen: ναὶ ναί, οὒ οὔ = ja, ja, nein, nein).

Kurzfristig mag die Lüge oder auch nur das Unterlassen, die Wahrheit auszusprechen, Vorteile haben. Langfristig zerstört sie das Gewissen, die Fähigkeit, dem Gewissensurteil zu folgen und vor allem: Vertrauen. Natürlich ist es verlockend, mit Hilfe einer Notlüge den Kopf aus der Schlinge zu ziehen, und natürlich kenne ich das auch, daß ich in einer solchen Situation nicht die Kraft aufbringe, der Wahrheit Genüge zu tun. Es scheint ja nicht so schlimm zu sein; hier ein wenig die Wahrheit zu frisieren, schadet ja keinem, es ist die einfachere Lösung, man braucht sich keine Blöße zu geben und einen Fehler zuzugeben usw. usf. Aber: Genau das ist das Wesen der Versuchung! Wer aber in kleinen Dingen der Versuchung nicht standhält, der wird es erst recht nicht in großen schaffen, wenn es wirklich drauf ankommt.

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[1] Man liest immer wieder, wie wichtig es für „Gewissenstäter“ ist, in kleinen, sachlich eigentlich unbedeutenden Fragen aus Gewissensgründen Widerstand geleistet zu haben, um später ihren großen Widerstand zu leisten. Z.B. war es für den Anschluß Österreichs ans Deutsche Reich völlig unerheblich, ob Franz Jägerstätter als einziger in seiner kleinen Gemeinde gegen den Anschluß stimmte, und tatsächlich wurde seine Gegenstimme auch vor Weitergabe des Abstimmungsergebnisses unterschlagen, u.a. um ihn nicht in Gefahr zu bringen; d.h. seine Nein-Stimme fiel sachlich völlig unter den Tisch und hätte ihm nur schweren Ärger bereiten können, für ihn selbst war es aber wichtig, mit Nein gestimmt zu haben: Wenngleich es eigentlich nur ein symbolischer Akt war, schärfte er sein Gewissen und vor allem seine Bereitschaft und Fähigkeit, gegen alle Ängste und das sichere Wissen um das folgende Todesurteil seinem Gewissensurteil auch zu folgen und den Kriegsdienst in Hitlers Armee zu verweigern. (hoch)
[2] Klassisches Beispiel: Bin ich verpflichtet, einem SS-Offizier, der mich fragt, ob ich einen Juden verstecke, zu sagen, daß ich tatsächlich einen Juden verstecke? Wenn das so wäre, bräuchte ich den Juden gar nicht erst zu verstecken versuchen. Hier steht freilich die Wahrheitsforderung gegen die ungerechte Verfolgung, die darauf ausgerichtet ist, das Leben des Verfolgten zu vernichten. (hoch)

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Manchmal frage ich mich, ob überhaupt jemand meine Posts liest. Jedenfalls enthält mein letzter eine großartige Einladung zur Kritik, mit der ich eigentlich fest gerechnet habe, die aber nicht kam:

„Diese Heuchelei ist es, die vom Metal angegriffen wird, nämlich das Böse immer nur bei den anderen zu sehen, den Balken im eigenen Auge aber nicht.“

Ergibt sich daraus nicht automatisch die Frage: Gibt es im Metal also keinerlei Heuchelei? Oder steckt in diesem Vorwurf nicht selbst Heuchelei drin? Halten sich Metaller für die besseren Menschen?

Vielleicht, aber nicht weil sie es sind, sondern allenfalls, weil sie sich ihrer Zwiespältigkeit bewußt sind. Metaller verfehlen ihren moralischen Anspruch genauso wie die Christen, die den Anspruch haben, nicht zu sündigen, aber immer wieder sündigen, und wie alle anderen, die ihren Anspruch nicht so weit runter schrauben, bis sie ihn daran angepaßt haben, was sie sowieso von sich aus tun. Und so ist auch die Kritik am Metal nicht per se etwas, was Metaller ablehnen. Ganz im Gegenteil, es gibt sehr wohl sehr unterschiedliche Auffassungen innerhalb des Metals über unterschiedliche Entwicklungen im Metal, und kein Metaller wird sich von irgend einem Metaller (oder Nicht-Metaller) den Mund verbieten lassen, eine Entwicklung, die ihm nicht gefällt zu kritisieren. Dabei ist es egal, ob es sich um Cannibal Corpse (Vermischung von Gewalt und Sexualität), NSBM (Rechtsextremismus) oder übertriebene Gegenreaktionen (wer mal mit einem Musiker geredet hat, der mal im selben Studio aufgenommen hat wie 20 Jahre vorher Burzum, muß ein Rechtsextremist sein) handelt.

Problematisch wird es jedoch in dem Augenblick, wo die Diskursebene verlassen und Machtmittel ergriffen werden, um reale oder vermeintliche Fehlentwicklungen im Metal anzugreifen. D.h. wenn mit Verboten statt mit Aufklärung und Kritik gearbeitet wird. So heterogen der Metal ist, so weitgehend homogen wird er sich gegen äußere Angriffe verteidigen. Die Verteidigung richtet sich dabei weniger gegen die inhaltliche Kritik, die sogar vom einen oder anderen Metaller geteilt werden könnte, als gegen die genutzten Methoden. Der Metaller[tm] denkt, daß ein solcher Angriff keinen anderen Sinn haben kann, als den Überbringer der schlechten Botschaft zum Schweigen zu bringen, um die schlechte Botschaft weiter verdrängen zu können. Hier sind wir zurück beim Heucheleivorwurf: Um nicht eingestehen zu müssen, daß man als Mensch halt nicht einfach zu den Guten gehört und daß die Bösen nicht immer nur die anderen sind, deklariert man diejenigen, die die Botschaft verbreiten, daß der Mensch eben von sich aus nicht einfach gut ist, als die Bösen. Das Schema sollte dem einen oder anderen Christen bekannt vorkommen…

Die eigentliche Antwort des Metals auf die Frage, ob die Metaller dann wohl die besseren Menschen seien, haben bereits 2003 Arch Enemy gegeben (auch wenn ich die Einschätzung nicht teile, daß der Glaube eine Blutspur durch die Jahrhunderte ziehe):

Du strebst nach Vollkommenheit, doch du hast nicht die Mittel
Verkörperte menschliche Schwachheit
Narrenfutter
das die Angst vor dem Leben selbst ernährt
Immer und immer wieder
Du wählst, nicht zu sehen
Verneige dich und bete mich an auf dem Altar der Schande

Also bist du der Heilige und ich der Sünder?

Du wirst es nie verstehen!

Du bist der Heilige und ich der Sünder

Nein! Du wirst es nie verstehen

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Witze zu erklären ist so ziemlich das Blödeste, was es gibt. Vielleicht hilft es aber in diesem Fall, Metal besser zu verstehen.

Warum funktioniert dieses Stück? – Weil Musik und Inhalt im geradezu kontradiktorischen Widerspruch stehen. Man kann nicht solche Musik machen und dabei von der Schönheit der Schöpfung und der Poesie der Liebe singen. Daß J.B.O es trotzdem tun, zieht den Metal halt ein bißchen durch den Kakao und funktioniert gerade nur als die (nicht erwartete) Ausnahme zur Regel. Überzeichnet wird es noch durch den Mittelteil, der das Grundprinzip des Liedes umdreht: Zu Musik auf knapp über Schlagerniveau werden Death Metal-Texte gesungen.

So sehr das ganze darauf angelegt ist, zu unterhalten und den Metal aus der Innenperspektive auf den Arm zu nehmen, der in seiner ganzen Attitüde immer auch kurz vor der Albernheit steht, so sehr kommt dabei auch eine ernsthafte Gesellschaftskritik zum Tragen.[1] Denn tatsächlich gibt es Popmusik, die musikalisch harmlos, inhaltlich aber gewaltig gefährlich daherkommt. (Das fällt mir immer wieder auf, wenn ich mal in die Verlegenheit komme, Mainstreammusikradio zu hören.) Was am Metal sehr grundlegend kritisiert wird, wird bei anderer Musik nicht einmal bemerkt.

Oder wo genau ist der Unterschied zwischen „Sex, Drugs & Rock’n’Roll“ zu „Wein, Weib und Gesang“ außer vielleicht in der Drastik? Sachlich ist es dasselbe. Diese Heuchelei ist es, die vom Metal angegriffen wird, nämlich das Böse immer nur bei den anderen zu sehen, den Balken im eigenen Auge aber nicht.

Auf anderer Ebene hat dieser Post schonmal dasselbe thematisiert. Im Lounge Music-Stil geht ein Text übers australische Fernsehen, was man im Original nicht mal ins Land lassen will. „The lyrics aren’t the problem, it’s the music.“

[1] Sehr treffend formulierte KingBear: „Verflixte Postmoderne, die es möglich macht, ein und dieselbe Aussage sowohl ironisch als auch ernst zu meinen!“ (hoch)

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Cover Father ElijahMichael D. O’Brien: Father Elijah. Eine Apokalypse; Kislegg: fe-medienverlag ³2010, 544 Seiten, ISBN 978-3-939684-32-9, 19,95 €

Eine Apokalypse?! Eine Apokalypse. Dieser Untertitel machte mich erstmal mißtrauisch. Ob das wohl wirklich eine Apokalypse ist? Oder doch nur eine langatmige Klage über die schlechte Welt und wie sie von Gott zerstört werden muß, um der neuen, besseren Welt Platz zu machen? Ein solches Buch ließ der Klappentext der Übersetzerin Gabriele Kuby erwarten.

Derjenige, der mir das Buch empfohlen und ausgeliehen hat, findet darin vor allem die Erklärung und Aufdeckung von denkerisch-geistigen, religiös-geistlichen und politisch-praktischen Zusammenhängen, die unsere gegenwärtige Zeit prägen. (Wenn man bedenkt, daß das Buch von 1996 ist, könnte da durchaus was dran sein, jedenfalls hätte ich 1996 noch einiges von dem Beschriebenen für undenkbar gehalten; heute ist es praktisch schon Realität.) Ein verschwörungstheoretischer Roman ist jetzt auch nicht unbedingt das, was ich unbedingt lesen will, schon gar nicht unter der Überschrift „Apokalypse“.

Denn eine aus echter Apokalyptik hervorgegangene literarische Apokalypse ist viel mehr als eine Klage über die schlechte Welt oder ein Katastrophenroman über das Ende der Welt. Sie ist vielmehr ausgesprochen vielschichtig. Sie arbeitet mit Bildern, die nicht einfache Allegorien sind, die 1:1 übertragbar und durchschaubar sind, sondern „multicodiert“. D.h. ein Bild hat mehrere, sich zum Teil überschneidende Bedeutungen und somit einen immer bleibenden Bedeutungsüberschuß. So ist es z.B. keine sinnvolle Frage, ob die Frau der Apokalypse (Offb 12) Maria oder die Kirche ist, denn sie ist mit Sicherheit beides (und wahrscheinlich noch viel mehr).

Echte Apokalypsen werfen daher mehr Fragen als Antworten auf, sie regen das Denken des Lesers an, und er muß sich selbst einen Reim auf das Geschriebene machen. Ihre Aussage ist dabei nicht klar und deutlich im Text enthalten, die Apokalypse ist mehr als die bloße Summe ihrer Teile. Sie steht quasi zwischen den Zeilen bzw. ergibt sich in der Gesamtschau. Um zu dieser zu gelangen, muß der Leser gleichermaßen die Details wie die großen Zusammenhänge im Blick behalten. Denn in den Details liegt der eigentliche Schlüssel für die großen Zusammenhänge, die die Apokalypse aufdecken will, zugleich aber verbirgt und nur dem „Eingeweihten“ zugänglich macht. Denn es geht am Ende nicht um Fakten, Fakten, Fakten, sondern um deren Deutung – und die muß sich der Einzelne selbst zu eigen machen. Er soll gerade selbst denken und hinter die Offensichtlichkeiten blicken, statt neue Offensichtlichkeiten vorgesetzt zu bekommen.

So könnte man die Offenbarung des Johannes in einem Satz des Paulus zusammenfassen: „Ich bin überzeugt, dass die Leiden der gegenwärtigen Zeit nichts bedeuten im Vergleich zu der Herrlichkeit, die an uns offenbar werden soll.“ (Röm 8,18) Das steht aber an keiner Stelle der Offenbarung selbst. Sie ist vielmehr von der Realität und der Drastik der Leiden, denen die Gläubigen in dieser Welt ausgesetzt sind und immer sein werden, geprägt. Doch diese Beschreibung wird immer wieder von Szenen des Lobpreises Gottes unterbrochen, die zwar im Dunkel des Ganzen unterzugehen drohen, aber einen ganz anderen Schein auf dieses Dunkel werfen: Gott ist der Herr, Er ist der Herr der Geschichte, Er hat bereits in Jesus Christus den Sieg errungen; daß die bösen Mächte anrennen gegen die, die zu Jesus gehören, sind die Nachwehen, weil die Besiegten ihre Niederlage nicht akzeptieren wollen. So endet die Offenbarung auch mit dem Bild des neuen Himmels und der neuen Erde sowie des Himmlischen Jerusalems, aber nicht, weil das irgendwann einmal passieren wird, sondern weil das – siehe die Lobpreisszenen – in die Gegenwart ausstrahlt: „Ihr seid also jetzt nicht mehr Fremde ohne Bürgerrecht, sondern Mitbürger der Heiligen und Hausgenossen Gottes.“ (Eph 2,19)

Infolge dieser Komplexität von Apokalypsen sagt jede Interpretation wohl mehr über den Leser, der diese Deutung gibt, als über die Apokalypse oder gar ihren Autor aus. Wenn es sich denn um eine echte Apokalypse handelt…

Trotz meiner oben beschriebenen Zweifel habe ich das Buch dann doch gelesen, weil eben die Interpretation auch der Übersetzerin mehr über jene als über das Buch aussagt. Und ich wurde nicht enttäuscht, denn der Verfasser selbst weist in einem kurzen Vorwort ungefähr auf das oben Beschriebene hin. Er versteht (s)eine Apokalypse als vielschichtiger als sie vordergründig daher kommt.

So ist schließlich auch nicht entscheidend, was in diesem Buch an politischen und gesellschaftlichen Zusammenhängen aufgezeigt wird. Auch die vordergründigen Botschaften – etwa daß auch der größte Gotteshasser und Sünder bekehrt werden kann, aber sich dieser Bekehrung ebenso in Freiheit verweigern kann – sind für die Gesamtaussage nicht so zentral. Viel gravierender ist ein massiver, biblischer Schnitzer, der dem Autor nicht zufällig unterlaufen sein kann.

Die Hauptfigur ist ein Pater Elijah, der im Kloster auf dem Berg Karmel lebte, das er zu Beginn des Romans verlassen muß, da er einen Sonderauftrag des Papstes ausführen soll. Elija(h) und der Karmel, das ist die biblische Parallelität, die sich durch das ganze Buch zieht, auf die immer wieder verwiesen wird. Am Ende gibt es sogar eine Szene, die praktisch aus der Geschichte des Propheten Elija abgeschrieben ist, nämlich was unmittelbar nach der Geschichte auf dem Karmel passierte – der Prophet, verfolgt von der den heidnischen Gott Baal verehrenden Königin Isebel, meint gescheitert zu sein, will sterben, doch Gott läßt ihn nicht. So auch Pater Elijah, dem es nicht gelungen ist, den Antichrist zu bekehren oder dessen großen Schlachtplan gegen Gott und die Kirche zu ergattern.

Doch gerade in dieser Parallele fällt eine massive Abweichung auf, die ich hier nicht nennen kann, ohne dem Leser das Lesevergnügen zu verderben. Doch je mehr man das Buch mit der Brille liest, daß dieser Schnitzer kein Schnitzer, sondern Absicht ist, um so mehr erkennt man, daß genau dieser „Schnitzer“ für den Leser den Schlüssel für das Gesamtverständnis darstellt. Wer das Buch liest, sollte also dringend das 1. Buch der Könige zum Vergleich danebenliegen haben.

„Father Elijah“ ist eine echte Apokalypse. Ihr fehlen zwar gerade die apokalyptischen Bilder (wenngleich nicht die apokalyptischen Motive), sie ist aber dennoch im ganzen komplex und vielschichtig, regt zum Denken an und läßt den Leser sich selbst das Urteil bilden. Und wie in der Offenbarung des Johannes gilt auch hier: Der eigentliche Sieg ist bereits errungen, bevor das im Buch beschriebene Geschehen beginnt.

Fürchtet euch nicht!

¡Viva Cristo Rey!

P.S.: Daß eine Fortsetzung erscheinen soll, ist zwar ökonomisch verständlich, dem Genre Apokalypse aber völlig unangemessen. Ok, ich kann mir eine Möglichkeit vorstellen, wie das funktionieren könnte, aber ich sehe dem mit gemischten Gefühlen entgegen.

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Mein Erstkontakt mit diesem Stück war ziemlich früh in meiner „Metal-Karriere“, wennauch in dieser Form. Diese rein instrumentale Fassung hat mich, naja, nicht auf Anhieb weggeblasen, setzte sich aber in den Gehirnwendungen fest und entwickelte sich dort immer mehr. Zeigt eigentlich nur, wie stark der Song ist rein musikalisch ist:

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