Blogoezese

Neben dem Fatima-Gebet ist mir noch eine zweite Geschichte hängen geblieben, zu der ich ein paar Worte verlieren muß. Sie ist allerdings durchaus komplexer. Es handelt sich um die „Frau aller Völker“.

Zwei Dinge muß ich vorausschicken: Zum einen habe ich, wie gesagt, die „Frau aller Völker“ erstmals um 2000 kennengelernt, und ja, sie hat mich einigermaßen verstört, insbesondere die Forderung nach dem fünften Mariendogma „Corredemptrix“ (Miterlöserin). Genau genommen wurden hier ja alle meine Vorbehalte gegen Marienfrömmigkeit (Mariolatrie, Verdrängung Christi) scheinbar bestätigt. Insofern kann ich alle Vorbehalte und Berührungsängste nachvollziehen, wenn auch nicht mehr pauschal teilen.

Zum anderen hat sich meine Ansicht hier nicht extrem geändert, so daß ich jetzt Propaganda für die „Frau aller Völker“ machte, sondern ich sehe mich in einer Art wohlwollenden Neutralität. D.h. einerseits entspricht die ganze Geschichte nicht so ganz meiner Spiritualität, auch wenn ich meine Berührungsängste und Vorbehalte weitgehend abgelegt habe. Andererseits hat sich mir noch ein zweiter Zugang zur „Frau aller Völker“ ergeben, nämlich jemand, der den Kreis, der sich um diese Privatoffenbarung gebildet hat, als seine „geistliche Heimat“ bezeichnet. Das Prinzip „an ihren Früchten sollt ihr sie erkennen“ ergibt mein Wohlwollen.

Schließlich gilt weiterhin die „cum grano salis“-Warnung. Niemand braucht seine Kritik an der „Frau aller Völker“-Geschichte einzustellen. Aber auch muß niemand ein Problem aus etwas machen, was kein Problem ist. Ja, es gibt hier Schwierigkeiten, zu denen sich die Kirche durchaus geäußert hat, aber man muß ja nicht noch neue dazu ausdenken. Etwa, indem man insinuiert, der Diözesanbischof, der die Erscheinung als „übernatürlichen Ursprungs“ anerkannt hat, hätte seine Kompetenzen überschritten, weil er nicht die Glaubenskongregation gefragt hat (was er als zuständige kirchliche Autorität gar nicht mußte), oder gar nicht so genau wußte, was er da eigentlich tut, sondern nur dem „Druck der Straße“ nachgegeben habe (anderswo heißt es dafür, er sei ein Eiferer für die „Frau aller Völker“).

Damit sind wir auch gleich am casus cnaxus. Bei dem einen oder anderen Beitrag sind mir genau die Mechanismen aufgefallen, denen auch ich mich hingegeben habe. Was nicht sein darf, das nicht sein kann, will heißen: Weil mir die Sache suspekt war, habe ich sämtliche Argumente gesucht, die ich dagegen aufführen kann, aber nicht einen einzigen Versuch gestartet, das Phänomen zu verstehen (geschweigedenn mich mit konkreten Personen auseinandergesetzt).

Erst später (also vor drei, vier Jahren) habe ich versucht, die Sache mit der Corredemtrix positiv zu verstehen. Ja, das geht nicht leicht von der Hand, und es ist ziemlich advanced stuff. Aber tatsächlich steht die Miterlöserschaft Mariens in der Logik von Kreuz, Schrift und Tradition. (Das bestreitet auch nicht jeder, der ein Problem mit der „Frau aller Völker“ hat, unterstellt aber wohl, daß die „Frau aller Völker“ nicht in der Tradition zu verstehen sei. Mag sein, allein, mir fehlen dafür die klaren Argumente.)

Auszugehen ist davon, daß Marienfrömmigkeit, recht verstanden, immer zu Christus führt. Entsprechend gilt theologisch, daß Mariologie, wenn nicht sogar explizit, implizit christologisch ist und eschatologische und anthropologische Aussagen macht: In Maria ist vollendet, wozu wir noch nur berufen sind. Sie ist das unbestreitbare Vorbild, zu welcher Herrlichkeit der Mensch, jeder Mensch berufen ist. — Bei Jesus, der ja als wahrer Mensch unser eigentliches Vorbild sein sollte, könnte man immer relativieren, daß er ja zugleich wahrer Gott ist. Bei Maria bleibt uns gegenüber nur, daß sie auch vor der Konkupiszenz bewahrt wurde. Verglichen mit der Erbsünde (aus der das non posse non peccare, das Nicht-Nicht-Sündigen-Können folgt), von der wir in der Taufe befreit worden sind, ist das doch eher ein geringer Unterschied (nämlich der zwischen schon „posse non peccare“ [das nicht-sündigen Können, also die Möglichkeit, mit Hilfe der Gnade Gottes das Sündigen zu vermeiden] und noch nicht „non posse peccare“ [Nicht-Sündigenkönnen, also die Unmöglichkeit des Sündigens]).

Dieser eschatologische und anthropologische Aspekt der Mariologie kommt insbesondere im Dogma von der leiblichen Aufnahme Mariens in den Himmel zum Ausdruck. Im Gegensatz zur jahrhundertelang theologisch umstrittenen Bewahrung Mariens vor der Erbsünde, war dieses Dogma sachlich eigentlich mit dem Dogma von eben der Unbefleckten Empfängnis Mariens bereits gegeben, denn es hieß immer, wenn unbefleckt empfangen, dann auch mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommen – weil unbefleckt empfangen. Daß es ausgerechnet wenige Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg und der Shoa formal dogmatisiert wurde, darf man wohl durchaus so, nämlich eschatologisch und anthropologisch verstehen: Trotz all des maschinellen, ja sogar industriellen Abschlachtens und Vernichtens von Menschen und der völligen Mißachtung jeglicher Menschwürde und jeglichen Respektes vor den sterblichen Überresten von Menschen ist im Glauben daran zu erinnern, daß wir dazu berufen sind, als Menschen, das heißt mit Leib und Seele, in die ewige Herrlichkeit einzugehen – was in Maria bereits vollendet ist. (Hier hätte man übrigens auch schon argumentieren können: Die Himmelfahrt Christi reicht doch eigentlich voll und ganz. Tut sie rein formal-theologisch betrachtet auch. Aber ach, die Menschen, sie sind nicht so…)

In dieser Linie wäre die Miterlöserschaft Mariens so zu verstehen: Der Mensch ist berufen zur Kreuzesnachfolge. Er soll in seinen Leiden vollenden, was an den Leiden Christi noch fehlt – nicht qualitativ oder quantiativ (in diesen beiden Hinsichten ist das Leiden Christi vollkommen und genug), sondern im, ich nenne es mal: extensiven Sinne, d.h. in der Realisierung, in der Wirksammachung des aus dem Leiden Christi folgenden Heiles in der konkreten Situation, das eben auch im Ertragen, Erdulden, Erleiden, ja Ausleiden des Bösen, dem der Christ in seinem Leben begegnet (oder vielleicht besser: das dem Christen in seinem Leben begegnet), indem er sich in seinem Leiden mit den Leiden Christi verbindet, so daß das Leid im geistlichen Sinne verklärt wird.

Auch wenn es eigentlich schon dasteht: Entscheidend ist und bleibt hier das Leiden Christi, vom Kreuz Christi geht alle Kraft aus, das Leid in der Welt zu verklären. Die Welt ist aber nicht einfach heil. Vielmehr sind die Gläubigen dazu aufgerufen, die Schöpfung wieder auf Gott auszurichten. Das ist der wesentliche Gehalt des allgemeinen Priestertums aller Gläubigen, das ein Anteilhaben am Priestertum Christi ist, und die Besonderheit des Priestertums Christi ist nuneinmal, am Kreuz Hoherpriester und Opfergabe zugleich zu sein.

Insofern ergibt auch das Andachtsbild Sinn: Durch Maria (als Vorbild für alle Glaubenden) kommt das Kreuz zur Welt, durch sie und ihr Mitleiden mit Christus, symbolisch ausgedrückt durch die Wundmale Christi, die Maria trägt, kommt das Heil des Kreuzes konkret in die Welt, ausgedrückt in den Strahlen, die von den Wundmalen ausgehen.

Ebenso ergibt aus dieser Perspektive das Gebet Sinn, das gerade das „jetzt“ betont: „Herr Jesus Christus, Sohn des Vaters, sende jetzt Deinen Geist über die Erde.“

Ich weiß natürlich nicht, ob alle Anhänger der „Frau aller Völker“ die Sache so sehen. Überhaupt habe ich lediglich eine oberflächliche Kenntnis des ganzen und habe auch hier nur nochmal an dieser Oberfläche gekratzt. Ich sehe allerdings aufgrund der mir vorliegenden Informationen auch keinen fundamentalen Widerspruch zwischen der Botschaft von der „Frau aller Völker“ und meiner Einordnung.

Mir geht es aber auch gar nicht um die Übernatürlichkeit der Erscheinungen oder die Richtigkeit des Gebetes oder der Titel, sondern um das Muster. Alles, was ich im Netz dazu gefunden habe, fällt (wenn man mal von Originaldokumenten absieht) entweder unter „Propaganda“ oder weist dieses „was nicht sein darf, das nicht sein kann“-Prinzip auf (was sich dann schon an Wortwahl und Stil zeigt). Stattdessen halte ich es lieber mit Gamaliël.

Allerdings denke ich, daß eine Dogmatisierung auch innerkirchlich auf soviel Unverständnis und Widerstand stoßen würde, daß sie reichlich inopportun wäre. Andererseits wirft die immer weiter fortscheitende und inzwischen gar Todsünden rechtfertigen wollende Leidensvermeidungsstrategie der abendländischen Kultur (oder was davon übrig ist) die Frage auf, ob sich nicht hieraus Sinn und Zweck des ganzen verstehen läßt. Das aber muß die Zeit zeigen.

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hjerSie glänzte wie ein kostbarer Edelstein, wie ein kristallklarer Jaspis. Die Stadt hat eine große und hohe Mauer mit zwölf Toren und zwölf Engeln darauf. Die Mauer der Stadt hat zwölf Grundsteine. Die Stadt war viereckig angelegt und ebenso lang wie breit. Ihre Länge, Breite und Höhe sind gleich: zwölftausend Stadien [gut 2100 km]. Und er maß ihre Mauer; sie ist hundertvierundvierzig Ellen [gut 68 m] hoch. Ihre Mauer ist aus Jaspis gebaut und die Stadt ist aus reinem Gold, wie aus reinem Glas. Die Grundsteine der Stadtmauer sind mit edlen Steinen aller Art geschmückt; der erste Grundstein ist ein Jaspis, der zweite ein Saphir, der dritte ein Chalzedon, der vierte ein Smaragd, der fünfte ein Sardonyx, der sechste ein Sardion, der siebte ein Chrysolith, der achte ein Beryll, der neunte ein Topas, der zehnte ein Chrysopras, der elfte ein Hyazinth, der zwölfte ein Amethyst. Die zwölf Tore sind zwölf Perlen; jedes der Tore besteht aus einer einzigen Perle. Die Straße der Stadt ist aus reinem Gold, wie aus klarem Glas. Und die Könige der Erde werden ihre Pracht in die Stadt bringen. Und man wird die Pracht und die Kostbarkeiten der Völker in die Stadt bringen.

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Mit dem Metal und der Kirche ist es wie mit dem Hasen und dem Igel. Der Hase, hier der Metal, kann noch so schnell sein, der Igel, hier die Kirche, war immer schon da.

Sommer ist Festivalzeit und ein Festival dauert drei Tage, mit Vor- und Nachglühn ’ne Woche? Klaro, zum Beispiel Libori in Paderborn. Das hier ist der Anfang des Triduums, und da wir ja feiern wollen, beginnen wir Katholiken den Tag schon am Vorabend mit der Vesper:

Wie man sieht, bietet die Kirche also auch massiven Heavy Metal (ab 23:57, aber ehrlich, Leute, dat is wie mit’m Festival: War man nicht da, hat man die Musik nicht gespürt und gefühlt, dann vermittelt auch das Video nur einen müden Abklatsch!) sowie mystische Texte in fremdländischen Sprachen, mitunter unverständlich, aber emotional intoniert. Und dachte ich schon während der lateinischen Vesper, wow, so ein voller Dom, der mitsingt, das hat schon was, wurde mir beim (deutschsprachigen) Abschlußlied schlagartig klar, daß all die Damen und Herren ohne Liedheft nicht etwa die Vesper auswendig sangen, sondern ihre Stimme für das Schlußlied schonten. Da flogen mir fast die Ohren weg.

Und wer jetzt meint, da fehlen doch aber noch umgedrehte Pentagramme, coole Kopfbedeckungen und martialisches Posing, der hat einfach nur nicht richtig aufgepaßt. Wie gesagt, der Igel war immer schon da.

Und da das katholische Feiern nicht an der Kirchentür aufhört, sondern da erst so richtig anfängt, möchte ich auch das traditionelle[1] LiboriBloggertreffen nicht unerwähnt lassen, das unmittelbar nach Ende der Erföffnungsvesper am Paradiesportal, diesmal komplett ohne Treffpunktschwierigkeiten, begann. Zu dessen Ehre hatte Paderborn weder Kosten noch Mühen gescheut und unzählige Genuß- und Nahrungsmittelstände, Fahrgeschäfte und sonstige fliegende Kränmer aufgeboten. Es hat sich aber auch mal wieder gelohnt, denn gegenüber dem Vorjahr hatte sich die Teilnehmerzahl um 150% gesteigert, wobei die Dominanz der Suffraganblogger weiterhin erfreulich hoch war! (Sprich: Wir waren jetzt 5 statt 2 Blogger, davon drei mit Erfurthintergrund.)

Nur die Größe der Biergläser ist da ein kleiner Wermutstropfen, denn die Näpfe waren dermaßen klein, daß ihr Inhalt schneller verdunstete als Nachschub herangeführt werden konnte. Tja, vom Osten lernen, heißt hier siegen lernen: Wenn man mehr auf einmal ausschenkt, reduzieren sich die Schlangen auch mal vorübergehend. 0,2 l, da kriegen bei uns die Kinder ihren Saft drin!

Bleibt nur eine Frage: Wer hat wohl gemerkt, daß da die Kirche von Paderborn in Gemeinschaft mit mindestens 16 Bischöfen aus aller Welt über eine Stunde lang das Konzil abgelehnt hat?!

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[1] Bekanntlich ist alles, was zweimal stattgefunden hat, bereits eine Tradition: Das war schon immer so, das war noch nie anders. Da könnt‘ ja jeder kommen!

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So, ich bin spät dran, was vor allem am späten Ferienbeginn in Thüringen liegt, durch den lange nicht klar war, ob ich überhaupt zu Libori in Paderborn sein kann. Kann ich aber. Daher würde ich die letztjährigeTradition“ aufgreifen und wieder zum Bloggertreffen nach der Vesper zur Eröffnung einladen (28. Juli). Als Treffpunkt würde ich wieder das Paradiesportal vorschlagen. Obwohl wir letztes Jahr einen anderen Treffpunkt ausgemacht hatten, haben sich alle, die sich schließlich gefunden haben, bereits am Portal getroffen, also sollten die Massen dort nicht so das Problem ausmachen. Wer ist dabei?

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Bei der Abschlußrunde war es noch zu früh, um die Gedanken, die ich tatsächlich aus Freiburg mitgenommen habe, in Worte zu fassen, und sie hätten auch zeitlich den Rahmen gesprengt. In der Diskussion über das Bloggerprojekt zum Jahr des Glaubens sind einige Konfliktlinien aufgebrochen, die nicht ausdiskutiert werden konnten, aber zu wichtig sind, um weiter unthematisiert vor sich hin zu schwelen.

Nachdem ich eine Nacht drüber geschlafen habe, meine ich fünf Punkte benennen zu können, die zumindest für mich den Kern des Konfliktes ausmachen:

  1. Die Behauptung, das Abarbeiten an innerkirchlichen Themen sei nicht missionarisch und interssiere „keine Sau“.
  2. Ein zerstrittener Eindruck sei schädlich für die Außenwirkung (Beispiel Linkspartei, Schlagwort: „Sie waren ein Herz und eine Seele“).
  3. Haben wir das Evangelium/Gott oder entdecken wir es mit dem anderen zusammen?
  4. Schüler hätten viel fundamentalere Fragen als die, die wir in der Blogoezese thematisieren und diskutieren.
  5. Die in der Konzeption des Projekts implizite Vorstellung von Neuevangelisierung als „neue Christen machen“ (genannt: die erreichen, die wir sonst nicht erreichen, indem wir etwa in weltlichen Medien präsent sind).

Ad Primum
Die Zahlen – 30 Blogger in Freiburg, und noch viel mehr Blogger, die nicht da waren, auch zentrale, wichtige -, das Stattfinden des Bloggertreffens an sich, die weit verbreitete Angst vor den Bloggern und kath.net in Diözesanleitungen, unter Hauptamtlichen an sich und vor allem der Kirchenpresse sowie das generelle Erstarken „konservativer“ Gruppen sprechen eine andere Sprache. Die Blogoezese würde nicht so immens wachsen, wenn die behandelten Themen „keine Sau“ interessierten.

Wenn man die 1-9-90-Regel anwendet, daß also nur 1% selbst Inhalte schaffen (hier: bloggen), weitere 9% kommentieren und 90% nur lesen, dann müßte die Blogoezese locker flockig ein Potential von etwa 5.000 bis 10.000 Leser haben. (Ok, das ist nur ein Potential, Alipius berichtet von 1.000 bis 1.500 täglichen Besuchern, bleibt die Frage, ob die Regel hier falsch ist oder ob die Blogoezese noch so „frisch“ ist, daß erst die 1-10% da sind, egal: so oder so interessiert es nicht „keine Sau“). Die Behauptung ist also schonmal empirisch falsch.

Ad Secundum
Es mag ja stimmen, daß zerstrittene Institutionen weniger Anziehungskraft entfalten als geschlossen wirkende. Aber hier stellt sich doch die Frage nach der Wertigkeit des Kriteriums. Hat es der Linkspartei denn geholfen, daß sie den Streit in den vergangenen Jahren – der Konflikt schwelt hier doch mindestens seit der Vereinigung von WASG und PDS, eher länger – unter den Teppich gekehrt hat, keine klaren Positionen entwickelt hat, um nur niemanden zu verprellen? Kurzfristig schon, umso größer aber ist jetzt der Absturz, daß auch eine zwischendurch scheinbar gesamtdeutsch etablierte Linkspartei nun unter die 5%-Hürde abzustürzen droht.

Vor allem ist das Argument aber theologisch fragwürdig. Denn es ist die Wahrheit, die uns frei machen wird. Diese Wahrheit ist Jesus Christus selbst, und Er ist die Möglichkeitsbedingung, daß wir überhaupt erst ein Herz und eine Seele sein können. Wie es empirisch gesehen offenbar keinen langfristigen Nutzen hat, Konflikte schwelen zu lassen statt sie auszutragen, ist es auch theologisch nicht zweckmäßig, Konflikte zu kaschieren. Daß sich mit kath.net und der Bloggerszene eine innerkirchliche Gegenöffentlichkeit gebildet hat, dürfte eher Folge bestehender Konflikte, die in den bisherigen Bahnen nicht ausgetragen werden konnten, als Ursache neuer Konflikte sein.

Ad Tertium
Der Frage, ob wir das Evangelium/Gott „haben“ oder nur mit dem anderen zusammen entdecken können, liegt eine fehlerhafte Gegenüberstellung zugrunde. Beide Teile der Frage schließen sich gar nicht aus, sondern setzen einander voraus:

Wenn wir von Gott nichts Sicheres wissen, können wir ihn auch nicht entdecken, denn dann würden wir Seine Spuren im Gegenüber bzw. in dessen Ansicht gar nicht als Seine Spuren erkennen (wie ja auch bereits die Voraussetzung, wir könnten Gott gar nicht „haben“ bereits ein ziemlich sicheres Wissen über Gott voraussetzt, nämlich daß Er von Seinem Wesen her unsere Erkenntnis übersteigt). Und wenn Er sich nicht entdecken ließe, dann könnten wir auch nichts Sicheres über Ihn wissen.

Oder, weniger erkenntnistheoretisch als vielmehr fundamentaltheologisch formuliert: Gott hat sich selbst offenbart, und zwar in Jesus Christus abschließend. Die Offenbarung ist abgeschlossen, da Gott über sich selbst hinaus nichts von sich offenbaren kann, klar. Was sollten wir also mit „dem anderen“ noch entdecken, was nicht bereits in der Person Jesu Christi offenbar ist. Andererseits zeigt uns gerade diese Selbstoffenbarung, daß Gott unseren Verstand übersteigt, daß wir ihn nicht „in der Tasche“ haben können, daß er uns immer ein Mysterium bleiben wird. Auch wenn wir noch so viel von Ihm verstanden haben, bleibt Er uns immer noch unverständlich. Und insofern können wir unseren Glauben an, unser Wissen über und unsere Beziehung mit Gott immer noch in der Auseinandersetzung mit anderen Glaubenden vertiefen.

Entscheidend ist aber, daß wir dabei nicht immer wieder bei Null anfangen müssen, sei die Null jetzt Adam und Eva oder Hexenverbrennungenkreuzzügeinquisition. Es gibt Dinge, die wir über Gott mit Sicherheit wissen, zumindest im negativen Sinn. Soviel wir immer noch kennenlernen können, so genau können wir sagen, wie Gott nicht ist.

Und genau an einer solchen Frage entzündete sich in der konkreten Diskussion der Widerspruch. Ob es das wert ist, sich an der Frage, ob man Gott als Mutter bezeichnen kann (in einem analogen Sinn natürlich, aber ebenso natürlich nicht in demselben Sinne wie wir von Gott Vater sprechen), aufzuhängen, darüber kann man natürlich streiten, aber berechtigt war die Anfrage ganz sicher: Wie gehen wir damit um, wenn ein Blogger im Rahmen des Gemeinschaftsprojekts häretisches Zeug verzapft, also Dinge schreibt, von denen wir bei genauerer Betrachtung auch ohne Gutachten der Glaubenskongregation sagen können, daß man das ganz sicher nicht über Gott sagen kann.

(Ok, wenn ich mich recht erinnere, lief es auf: Wir wollen keine Zensur ausüben, also müssen wir dann wohl oder übel in den Kommentaren widersprechen und damit wieder einen zerstrittenen Eindruck vermitteln. In Anbetracht der Wahrscheinlichkeit, daß in dem Gemeinschaftblog im Stundentakt Häresien gepostet werden, ist das wohl eine gute und praktikable Lösung. Angesichts der Emotionen, die in diesem Teil der Diskussion hochkochten, obwohl alle berchtigte Anliegen vertraten, dachte ich, das müssen wir nochmal ausdiskutieren.)

Ad Quartum
Dieses Argument liegt quasi als Bindeglied zwischen dem ersten und dem fünften. Ich habe es vor allem wegen des audiatur et altera pars als eigenes Argument aufgeführt, weil es mich persönlich bewegt und die zugrundeliegende persönliche Erfahrung meine Position zum fünften Argument vielleicht verständlicher macht.

Ich denke, auch meine Religionslehrer wollten sich um die vielen mehr oder weniger ungläubigen Schüler kümmern, die viel fundamentalere Fragen hatten als z.B. das pro multis. Das Dumme war nur: Ich war damals schon gläubig und hatte diese fundamentaleren Fragen eigentlich nicht, weil sie für mich (zumindest implizit) bereits beantwortet waren. Vor lauter Milch im Glauben wäre ich damals fast verhungert, außer in meinem Firmunterricht habe ich kaum feste Nahrung bekommen. Jedenfalls habe ich einige sehr zentrale Basics, etwa daß und warum wir durch das Kreuz erlöst sind, erst im Studium gelernt. Da habe ich mich, gelinde gesagt, etwas verarscht gefühlt, denn nach neun Jahren Religionsunterricht hatte ich nur eins gelernt: Daß ich offenbar schon alles Notwendige über den Glauben gelernt hatte.

Ad Quintum
In der Vorstellungsrunde habe ich gesagt, daß der ursprüngliche Grund, warum ich blogge, darin liegt, daß ich während der Arbeit an meiner Diss auf so viel verschüttete Tiefe und Vielschichtigkeit unseres Glaubens gestoßen bin, die ich letztlich nicht vollständig in die Diss pressen konnte. Das war in gewisser Weise schon eine Meta-Erfahrung zur unter 4. geschilderten schulischen Erfahrung. Wenn ich bedenke, daß ich schon zu Schulzeiten dachte, ich wüßte eigentlich alles über den Glauben, und dann noch nach zehn Jahren intensiver Vertiefung des Wissens im Studium (und auch heute noch) über neue, spannende Zusammenhänge und Vertiefungen stolpere, bei denen ich mich frage, wie ich eigentlich ohne sie leben konnte (ganz davon abgesehen, daß ich zugleich immer deutlicher merke, was mir alles noch fehlt, wieviel mich immer noch von Gott trennt), dann kann ich eigentlich nicht umhin, den Grund für die Glaubenskrise weniger bei den Fernstehenden als vielmehr bei den bereits Glaubenden zu sehen.

Natürlich kann man nie den Glauben eines anderen beurteilen, und dennoch macht es mich traurig, daß ich, wenn ich nicht durch einige Zufälle (oder göttliche Fügung :-)) im Theologiestudium gelandet wäre, jetzt wohl immer noch denken würde, ich wüßte ja alles Notwendige, ohne zu wissen, was ich alles nicht weiß. Und ich kann mir nicht vorstellen (und meine Erfahrungen in den Weiten des Internets, aber auch im RL bestätigen das), daß mein Religionsunterricht die (schlechte) Ausnahme war.

Deswegen halte ich ein Verständnis der Neuevangelisierung als „neue Christen machen“ für einseitig und, vor allem auch unter praktischen Gesichtspunkten, für ineffektiv. Mindestens genauso wichtig wie „nach draußen zu gehen“, wenn nicht sogar wichtiger, ist es „nach innen zu gehen“ (aber: das eine tun, ohne das andere zu lassen!). Auch das ist missionarisch. Es gibt so viele, die eine gewisse Glaubensgrundlage und -praxis haben, deren Glaube aber nicht vertieft und genährt wird. Und das meine ich nicht in einem arroganten „die sind nicht richtig katholisch“-Sinne, sondern es tut mir weh, daß sie so vernachlässigt werden, daß ihnen eine Vertiefung ihrer Gottesbeziehung verwehrt bleibt.

Hier anzusetzen dürfte nicht nur einfacher sein als Ungläubigen oder Fernstehenden eine Glaubensperspektive zu erschließen (wer da andere Begabungen hat als ich, der mag das anders sehen), sondern vor allem auch effektiver. Denn damit schafft man Multiplikatoren, die ihrerseits in ihren Kontexten (Familie, Gemeinde, Beruf) (selbst-)evangelisierend wirksam werden können, anstatt alleine immer wieder neue Gläubige zu werben, sie dann aber sich selbst zu überlassen.

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anläßlich des 33. Geburtstages der New Wave of British Heavy Metal habe ich mir ein Herz gefaßt und meinen Umzug übers Knie gebrochen. Ab jetzt lest Ihr mich auf meiner reaktivierten eigenen Domain. Bitte updated eure Abos!

Wer sich in der dortigen Blogroll vermißt, maile mich bitte an, ich habe irgendwann ein wenig den Überblick verloren und habe den einen oder anderen Umzug nicht mitgemacht. Dieser Blog bleibt bestehen, schon alleine, weil ich einer ganzen Reihe von portierten Posts noch die Adresse hartcodiert auf blogspot.com verweist.

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…und wenn es einer wagt, böse Dinge bei ihrem eigenen Namen zu nennen, indem er das sie genau bezeichnende Wort gebraucht, dann kommen die verwanzten Kultur- und Zeitkritiker oder jene Schmierenkomödianten religiösen Schrifttums, diese brünstig gewordenen Allelujasänger, und versuchen dem verdutzten Publikum einzureden, man hätte sich ‚im Ausdruck vergriffen‘, bloß weil man diese Wölfe im Schlafpelz[sic!] begriffen hatte und als das, was sie sind, bezeichnet hat.
François Petit OP in: Ders./Diether Wendland: Das Böse, das Übel und die Sünde; Aschaffenburg: Pattloch 1959, 70.

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Tschaka! Jetzt ist die Kommentarfunktion bei Blogger endlich nicht mehr auf „Bulletin Board“-Ansicht beschränkt, sondern es gibt die Möglichkeit, sie so einzurichten, daß es auch unterschiedliche Kommentarfäden gibt. Habe ich gleich mal entsprechend umgestellt. Damit kann man sich in Zukunft das blöde „@Hastenichgesehen“ sparen. Tschaka!

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