12 comments on “Die Unterschreiberitis

  1. Ich gehöre zu denen, die die Petition Pro Ecclesia unterzeichnet haben, nach längerem Zögern allerdings, weil mir ähnliche Gedanken durch den Kopf gingen, wie die hier von dir formulierten (nur dass du sehr viel durchdachter argumentierst, als ich das hätte können).

    Was für mich den Ausschlag gegegeben hat, die Petition zu unterstützen, war die erhoffte (wenn auch so noch geringe) öffentliche Wirkung, wenn erkennbar wird, dass es viele Gläubige gibt, die den in den Medien propagierten deutschen Sonderweg in der Kirche nicht gehen wollen.

  2. Lieber Vincentius Lerinensis,

    im Grunde meines Herzens stimme ich Dir zu, daß die Unterschriftensammelei kein Weg zur innerkirchlichen Entscheidungsfindung ist und sein darf. Warum ich trotzdem unterschrieben habe nach einem inneren Ringen? Weil ich befürchte, daß sonst unsere Seite nicht zu Wort kommt oder wahrgenommen wird. Sowohl die schrille Stimme der Medien als auch die des Verbands- und Kommunique-Katholizismus vermittelten den Eindruck, daß das, was Lammert&Co und die unterzeichnenden Theologen schrieben und sagten, mehrheitliche Meinung des Volkes Gottes in diesem Land ist. Ich weiß, daß einige Leute mit dem unglücklich waren, was in den letzten vierzig Jahren in der Kirche passiert ist, es aber von ihnen trotz unguten Gefühls angenommen wurde, weil es vom Papst und den Bischöfen kam. Erst in den letzten jahren ist die Freiheit in der Kirche dahingehend gewachsen, daß man nicht sofort in eine sektierische Ecke gestellt werden kann, sobald man alleine die historischen Abläufe wie zum Beispiel der Liturgiereform hinterfragt oder der Stichhaltigkeit der Abweichung vom höchsten Lehramt in moralischen Lehrfragen der Kirche (wiederverheiratete Geschiedene, Abtreibung, Humanae vitae etc) oder Fragen der Kirchendisziplin (Redemptionis Sacramentum, Priesterkleidung). Jetzt ist die Entwicklung absehbar, die die Kirche seit dem Konzil genommen hat, zum gut Teil gegen das geschriebene Konzilswort, doch man versucht uns einzureden, ein "Jetzt erst recht und noch schneller als bisher" wäre die Lösung die aufgetretenen Schäden und Wunden der Kirche zu heilen. Ich denke, ich bin nicht alleine, wenn ich glaube, daß wenn die Wunden der Kirche nach dem Rezept der Memorandisten geheilt würde, es dann heißen würde: "Operation gelungen, Patient tot, Requiem hält Frau Bischöfin X und ihre Lebensgefährtin in Konzelebration, die Gläubigen werden gebeten ihre regenbogenfarbenen Schals mitzubringen."

  3. Ich kann Deine Argumentation verstehen und völlig nachvollziehen. Nur an einer Stelle bin ich nicht einverstanden: "Jedenfalls tragen beide Unterschriftenlisten … nicht dazu bei, verschiedene Standpunkte in Austausch miteinander zu bringen, sondern sie vertiefen die Parteiungen, die im eigenen Saft schmoren. So geht es nicht weiter, denn so wird nie jemand "die andere Seite" besser zu verstehen beginnen."

    Ich glaube nicht, dass hier Gräber vertieft werden. Es wird nur sichtbar gemacht, welche Gräben es bereits gibt. Das halte ich für heilsam. Denn bevor man daran geht, ein Problem zu lösen, muss man erst wissen, was eigentlich das Problem ist. Wenn nun mit großer Medienressonanz eine Memorandum veröffentlicht wird, das das Problem und die Ursachen falsch beschreibt, ist es nötig, sich zu artikulieren und darauf hinzuweisen, dass die Diskussion von Anfang an in die falsche Richtung läuft.

    Daher habe ich die Petition unterschrieben.

  4. Doch, diese Anschauung kann man durchaus teilen (fast hätte ich gesagt unterschreiben..).
    Ich selber habe mich nach längerem Zögern dennoch in die Petitionsliste eingetragen, aber nicht, um Demokratie in die kirchliche Meinungsfindung einzubringen, sondern schlicht um der Äusserung der gewöhnlichen, römischen Katholiken irgendwie Gehör zu veschaffen. Es herrscht nämlich weitherum die Meinung, bloss Akademiker (bzw. studierte Theologen) hätten Anrecht darauf, von den bischöflichen Verantwortungsträgern (und von den Medien!) als gültige Meinung des Kirchenvolkes angehört und akzeptiert zu werden.
    Es ist leider zu vermuten, dass manche der noch immer schweigenden Oberhirten das leider berühmtgewordene Memorandum noch gar nicht gelesen haben. Die von ihnen angestellten Religionspädagogen könnten sonst nicht derart unverblümt und öffentlich gegen die endgültig definierten Lehren ihrer Institution agitieren.

  5. "Jeder Katholik hat das Recht, sich an seinen Bischof oder den Papst zu wenden. Aber er sollte es niemals gegen etwas oder jemanden machen, sondern immer für die Wahrheit"

    Nicht anders habe ich die Petition verstanden.

    Das jedes Votum des Menschen, sei es für oder gegen etwas, immer politisch ist, läßt sich nicht ändern. Wir leben in einer vermachteten Welt. Davon ist auch die Kirche nicht ausgenommen. Auch unser Votum für die Liebe nicht.

    Seit es galt, für Christus oder Barrabas zu votieren, darf man den Ergebnissen von Volksentscheiden durchaus skeptisch gegenüberstehen. Eine Enthaltung ändert daran nichts. Gerade sie ist nur ein Votum für die Mehrheit.

    Auf der anderen Seite gilt natürlich auch die Zusage des Herrn an Petrus …

  6. @Tiberius: Ja, wir leben in einer vermachteten Welt. Aber wir sind nicht von der Welt. Wenn wir uns in der Welt engagieren (das betrifft dein Christus-oder-Barrabas-Beispiel), müssen wir gelegentlich Kompromisse mit den Prinzipien der Welt eingehen (wobei es auch da Grenzen gibt), keine Frage. Aber doch nicht innerhalb der Kirche! Dann verweltlichen wir die Kirche nur noch weiter, und das habe ich nun nicht gerade als Anliegen der Petition verstanden.

    Im übrigen denke ich nicht, daß sich unsere Bischöfe in ihren Entscheidungen an Unterschriftenzahlen orientieren, weshalb ich mein Verhalten nicht als Enthaltung deute. Es gibt auch noch andere Möglichkeiten, als seinen Namen unter einen vorgefertigten Text zu setzen.

    Schließlich würde ich bestreiten, daß jedes Votum ein politisches ist, insbesondere das Votum für die Liebe ist es nicht. Jedenfalls hat mein "Ehevotum" nichts mit Macht zu tun gehabt.

  7. Ich kann zwar die Gedankenansätze nachvollziehen- aber wenn jeder so dächte, bräuchten wir kein "Deutschland pro Papa", das zum Ziel hat, zu zeigen, daß es auch sehr viele papsttreue Katholiken gibt (die viel zu lange die Füße still gehalten haben).
    Wenn jeder so dächte, hätten die von Kirche von Unten /wisiki schon lange die Zügel in der Hand.
    Bei diesen Memorandum/Petitionsthema gibt es für mich nur entweder oder. Wer nicht für uns ist- ist gegen uns. Sorry meine meinung.

  8. @Benedetta: Danke, daß Du meine Befürchtung so eindrucksvoll bestätigst.

    Wenn jeder so dächte, gäbe es übrigens keine KvU oder WisiKi.

  9. Ja das wär doch traumhaft. Der Welt wäre einiges erspart geblieben, und meinen Nerven ebenso…

  10. Falls ich an dieser Stelle etwas dazu sagen darf (schließlich ist das ja nicht mein Blog):

    Benedetta, das kann doch nicht dein Ernst sein – "wer nicht für uns ist, ist gegen uns"? Wir sprechen hier von der Freiheit des Gewissens, dafür sind sind hochverehrte christliche Märtyrer wie der hl. Thomas More gestorben. Es geht um die vielleicht etwas aus der Mode gekommene Tugend des "guten Namens", darum, sich in aller Freiheit und sehr gut zu überlegen, worunter man diesen Namen setzen will. Man kann mich schwerlich zu den "gelahrten" Personen zählen, und mein Name ist sicherlich armselig genug, aber es ist der einzige, den ich habe. Ich werde ihn nicht unter etwas setzen, für das ich nicht ganzen Herzens einstehen könnte.

  11. Verweisen möchte ich auf mein Posting: http://nachtdesherrn.wordpress.com/2011/03/03/der-akademisch…nft-der-kirche/
    Nach der DBK leben zur Zeit ca. 24,9 Millionen Katholiken in Deutschland. Und ich korrigiere meine Aussage mal vorsichtig nach oben: 9/10 davon geht dieser ganze Disput sehr weit am Allerwertesten vorbei.
    Wieviel Unterschriften braucht man eigentlich, damit diese irgendeine repräsentative Relevanz haben? Ausserdem bitte ich zu bedenken, dass allein im Bistum Augsburg bis Dez. 2011 ca. 11.000 Menschen der Kirche den Rücken gekehrt haben. Das sind 1/10 der Austritte in Deutschland 2009. http://de.wikipedia.org/wiki/Kirchenaustritt
    Gesicherte Zahlen für 2011 liegen noch nicht vor. Aber soviel ist sicher: Trau keiner Statistik, die du nicht selber gefälscht hast.

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