4 comments on “Passion Christi

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  2. Man kann die Einheitsübersetzung mE soweit verteidigen, als der Gottesname in der Tat auch Gottesname ist – Prof. Ratzinger sinngem.: „Gott gibt als Namen, was in normalen Umständen die Verweigerung einer Antwort wäre“. So wird aus „ich bin, der ich bin“ in der Tat rechtfertigbar ein „Ich bin der Ich-bin“.

    Und nun verwendet die deutsche Sprache tatsächlich gern das stärkere „da sein“ einfach für „sein“ bzw für „es gibt“. Daher „Ich bin der, der ich da bin“ oder „ich bin der, der da ist“ oder „ich bin der Ich-bin-da“.

    Das „Ich bin da für euch“ hat man dann freilich tatsächlich aus einem deutschen Beiklang von „Ich-bin-da“ gemacht, der im Original nicht dasteht.

    Mir fällt dazu übrigens die Stelle ein, bei der Theodor Fontanes ohnehin sehr allegorisches (und übrigens ziemlich metal-taugliches, coming to think of it) Gedicht nachgerade überdeutlich wird:

    „Noch da, John Maynard?“ – „Ja, Herr! Ich bin!“ [seriously. I am not making this up.]
    „Auf den Strand, in die Brandung!“ – „Ich halte drauf hin!“
    Und in die Brandung, was Klippe, was Stein,
    jagt er die „Schwalbe“ mitten hinein:
    soll Rettung kommen, so kommt sie nur so:
    Rettung – der Strand von Buffalo.

    • Ja, ok, rein „technisch“ kann man diese Übersetzung wohl rechtfertigen. Daß ich diese Übersetzung „schlicht falsch“ nenne, liegt aber daran, daß sie eben die Auslegungsgeschichte und Übersetzungsgewohnheit unter den Tisch fallen läßt.

      „Ich bin da“ läßt zwar noch die „philosophische“ Interpretation zu (wenngleich ich die nie mitgehört habe, ganz im Gegenteil zu „ich bin da für euch“; mir ging’s da voll wie dem „Thomasleser“), läßt aber nicht mehr erkennen, daß hier eigentlich die Namensnennung verweigert wird. Genau diese Verweigerungsdeutung setzt doch auch Ratzinger voraus, wenn er sagt, daß die Umstände entscheidend dafür seien, daß es eben keine Verweigerung ist. Ergo sollte diese Verweigerung in der Übersetzung sprachlich durchaus erkennbar bleiben.

      • Wie es der Zufall so will, bin ich jetzt über etwas gestolpert, was meine Ursprungsaussage, daß die EÜ das „Ich bin da für euch“-Fehlverständnis nicht nur möglich macht, sondern bewußt hervorruft, stützt. Otto Hermann Pesch schreibt in seinem Büchlein über „Die Zehn Gebote“ 1976 – also genau zu der Zeit, in der die EÜ entstanden ist – zum Gottesnamen (S. 12):

        Er lautet übersetzt: ‚Ich werde dasein, der ich dasein werden.‘ Ein merkwürdiger Satz! Und doch gibt er, wie uns die Erforscher des Alten Testatments und die Kenner der hebräischen Sprache gezeigt haben, das Wichtigste wieder, was wir von Gott wissen müssen: Gott ist derjenige, der – so ist es gemeint [!] – für die Menschen und bei den Menschen ‚dasein‘ wird.

        Die Hervorhebung steht als kursiv im Original. D.h. z.Zt. der Erstellung der EÜ scheint es tatsächlich herrschende Meinung gewesen zu sein, daß JHWH mit „Ich bin da für euch“ inhaltlich richtig übersetzt sei. Da spricht es ja sogar schon fast für die EÜ, daß sie das „für euch“ nicht übernommen hat.

        Über diese herrschende Meinung scheint mir allerdings die Zeit einfach stillschweigend hinweggegangen zu sein.

        Es sei noch hinterhergeschickt, daß Pesch nicht bei der möglichen Banalität dieser Interpretation stehen bleibt, sondern sehr wohl die Unverfügbarkeit Gottes betont, der sich vielmehr in voller Freiheit dazu entschieden hat, für die Menschen da zu sein; er interpretiert das Für-Sein also im Sinne der Pro-Existenz.

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