Black Metal

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Ich komm vom Hölzchen aufs Stöckchen: Es gab da noch ein Album, das ich voller Vorfreude in den CD-Player schob und dann erstmal etwas geschockt rationalisieren mußte, daß ich wohl besser ein bißchen Zeit zum Reinhören einplane. Zur Feier des Tages (Kreuzerhöhung), würde zwar „Invert the Inverted Cross“ am besten passen, aber das hatte ich schonmal vor fünf Jahren (dort auch mehr Infos), also das ganze Album. Und überhaupt: Diese Musik funktioniert eigentlich gar nicht anders als als Album. Man nennt sie übrigens „Unblack Metal“: Musikalisch ist es Black Metal, inhaltlich Anti-Black Metal 🙂

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Apropos Endlosschleife: Das letzte Woche vorgestellte Stück von Nile war nicht das erste, in das ich mich erst reinhören mußte. Zuvor hatte ich quasi „von Berufs wegen“ ein erhebliches Problem zu lösen, nämlich keinerlei Zugang zum norwegischen Black Metal zu finden. Und irgendwie dachte ich, es wäre keine gute Idee, eine Diss über Metal zu schreiben, wenn man mit einem nicht ganz unwesentlichen Teil des Gegenstands nicht klarkommt. Noch dazu mit dem, der am deutlichsten mit dem Christentum in Konflikt geraten ist.

Es war auch ziemlich egal, welchen norwegischen Krach ich auflegte, es blieb einfach nur Krach. Ok, Mayhems „De mysteriis dom sathanas“ klang völlig anders als der Rest, aber gut, war es halt anderer Krach – nicht ganz so hoch und tinitusverursachender Krach, aber trotzdem Krach.

Was tun, sprach Zeus? Blieb nur die Möglichkeit, es zu erzwingen: Dauerschleife. Hatte ja unfreiwilligerweise mit Cher damals beim Bund auch geklappt. (Man glaubt ja gar nicht, wie oft man so ein Lied innerhalb eins 24h GvD-Dienstes im Radio hören kann… Ob ich das wohl als Wehrbeschädigung hätte geltend machen können?!)

Daß es ausgerechnet Immortal wurde, lag an einem fast schon zum Running Gag gewordenen Promoten von „Pure Holocaust“ durch einen Regulars in d.a.m.m. Kein anderer Teilnehmer der Newsgroup schien dessen Vorliebe für das Album zu teilen, doch es tat seinem Enthusiasmus keinen Abbruch. Also, wenn eh alles gleich klingt, warum dann nicht eben bei „Pure Holocaust“ anfangen?

Ob das so geschickt war, weiß ich nicht. Es hat mehrere Tage Dauerschleife auf Kopfhörer gebraucht, die ich auch nur mit Flucht in den Eskapismus namens „Die Siedler III“ überstand, bis ich ein erstes Riff wahrnahm! (Es hat sicherlich geholfen, das Hören schon länger nicht mehr krampfhaft versucht zu haben.) Am Ende von „As the Eternity Opens“ hörte ich plötzlich aus dem Grundrauschen einen Ton heraus, der sich schnell als Teil eines Riffs identifizieren ließ (im Video bei ca. 28:00)! Glücklicherweise handelte es sich um eines der Grundriffs des Stücks, so daß ich nach der einen oder anderen Stunde Dauerschleife des Songs, der mit fünfeinhalb Minuten auch noch der längste auf dem nur knapp über eine halbe Stunde langen Album ist, Songstrukturen erkennen konnte. Der Krach war also nicht nur reproduzierbar, sondern enthielt sogar ein gewisses Maß an Melodik. Boah ey, Alda!

Was ich damit aber sagen will: Beurteile Metalmusik niemals nach dem ersten Eindruck. Metal braucht Zeit, man muß sich reinhören. In den Sound, in den Stil, in die Riffs. Als ich diesen Post vorbereitet habe, mußte ich das Album mehrfach durchhören, um das Riff wiederzufinden, denn tatsächlich ist es keineswegs das am deutlichsten zu hörende Riff. Zumindest, wenn man grundsätzlich weiß, worauf man hören muß. Aber das ist eigentlich in der „Klassik“ nicht anders, die ist nur meist ohr-gefälliger, tut also anfangs wenigstens nicht weh 🙂

Letzten Endes hat die ganze Aktion nicht übrigens nicht dazu geführt, daß ich im ganzen dem Black Metal musikalisch gewogener wurde. Ja, ich kann ihn jetzt hören und als Musik identifizieren, aber während früher Black Metal immerhin noch durch die hochtönende Abmischung ein gewisses Alleinstellungsmerkmal hatte, wurde Black Metal in der weiteren Entwicklung ein umbrella term für alles Mögliche, was sich z.T. nur noch durch den Gesang vom Power Metal unterscheidet. Will heißen: da gibt’s zuviel mediokren Mist.

Disclaimer: Ja, auch im Death Metal gibt es mediokren Mist. Aber der klingt wenigstens nicht nach Nightwish.

Das Video sollte bei 23:00 Minuten starten und bei 28:27 enden, also genau „As the Eternity Opens“ spielen. Wenn das nicht klappt, Video auf YouTube angucken und in der Beschreibung den Link auf 23:00 anklicken.

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Heute mal was halbwegs Außergewöhnliches: Biblischer Black Metal aus Israel. Das war zumindest die Beschreibung, die mich bewogen hat, das Album zu kaufen, auch wenn die Musiker schon deutlich gemacht haben, daß sie die Bibel nicht gerade mit so richtig gläubigen Augen lesen. Trotzdem sind die Texte des Intros (Unveil the Curtain of Sanity) und des ersten Stücks (Eyes Gaze to a Future Foreseen), die eigentlich ein einziges Stück darstellen, durchaus interessant. Insbesondere „Unveil the Curtain of Sanity“ nimmt eigentlich meine Diss vorweg: Metal zieht den Vorhang der Vernünftigkeit hinweg und zeigt das Chaos einer vom Sündenfall bestimmten Welt ungeschönt.

Aber in dieser Kategorie geht es ja nicht um den Text, sondern die Musik. Es ist zunächst einmal melodischer Black Metal, also normalerweise so überhaupt nicht mein Fall. Und tatsächlich schwächelt das Album ziemlich ab. Meine erste Beschreibung war damals „Harry Potter Metal“. Trotzdem hat es mir der Anfang des Albums ziemlich angetan, denn hier wird wunderbar musikalisch umgesetzt, was textlich vorgegeben ist.

Zunächst das Intro, das langsam vor sich hinplätschert, aber die Saat aussäht, daß vielleicht unsere Welt nicht so rational ist, wie Spock sie gerne hätte. Allein schon diese herablassende Stimme, die „komm, ich zeich Dir ma, wie die richtige Welt aussieht, harhar“ zu sagen scheint! Und schließlich, als das Intro zu Ende plätschert, merkt man plötzlich, was für eine Spannung es aufgebaut hat, die durch die in die Tiefe absinkende Stimme nochmal gesteigert wird. Unnötig zu erwähnen, daß es ausgerechnet das Wort „sanity“ ist, das „insane“ artikuliert wird.

Dann, leider durch die Pause im eingebetten Video ein wenig um seine Wirkung gebracht, bricht das Chaos herein, der Vorhang ist weggezogen: Was da in den ersten anderthalb Minuten des zweiten Stücks passiert, ist mehr als auf dem ganzen restlichen Album! Kaum ein Riff wird länger als 10 Sekunden beibehalten! Ok, es bleibt immer noch melodisch, also kein Vergleich zu Technichal Death Metal 🙂 , aber gerade durch die Melodik kann die Musik den Hörer in dieses Chaos mitnehmen, während Technichal Death Metal den Hörer eher „ausspuckt“. Aber genug der Worte, hört selbst:

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Damit hier ein bißchen mehr Leben reinkommt und der Metal-Teil nicht gar so unter die Räder kommt, habe ich mich zur Einführung einer neuen Kategorie entschieden, des Monday Metal Mix (allitterier dich oder ich freß dich). Und damit gleich zu Anfang klar ist, wohin die Reise geht und daß das hier nichts für Weicheier ist (whimps and posers – leave this blog!!11111elf), habe ich mich dazu entschieden, Belphegor den Anfang machen zu lassen. Zumal damit auch gleich klar wird, daß ich mich hier nicht mit den Inhalten rumschlagen will (dazu lest bitte meine Diss), sondern nur auf möglichst einfache Weise Klicks generieren rumtrollen mich einfach naiv an der Musik erfreuen. Den Text versteht man sowieso nicht. Oder hätte jemand gemerkt, daß da unten im Clip (zumindest teilweise) auf Deutsch gegrunzt wird?

Belphegor ist eigentlich eine völlig überschätzte Band. Angesiedelt im Grenzbereich zwischen Death und Black Metal verbinden sie für meine Ohren ausgerechnet die schlechteren Elemente beider Genre zu einem großen Mist. Aber da auch ein blindes Huhn gern mal einen Korn trinkt, haben auch Belphegor am Anfang, als zwar der Otto-Muehl-Gedächtnis-Satanismus schon klar und deutlich vorhanden war, aber das „Sex, Sex, Sex“ den künstlerischen Anspruch noch nicht völlig ausgelöscht hatte (Interviews, in denen es lang und breit um den Marquis de Sade und die sexuellen Vorlieben der Musiker geht, wobei die Antworten so übertrieben sind, daß [bis auf den Interviewer offenbar] selbst der letzte Idiot merken muß, daß hier nur ein Klischee bis zum Letzten ausgelutscht wird, sind sowas von <Homer Sipmson>langweilig</Homer Simpson>), eine kleine Perle geschaffen (allein schon den more cliché as cliché can-Titel „Necrodaemon Terrorsathan“ muß man sich auf der Zunge zergehen lassen). Der „Eingeweihte“ mag hier die eine oder andere Anspielung erkennen, bis hin zu Hordes „A Churchbell Tolls Amidst The Frozen Nordic Winds“ (das muß doch haargenau dieselbe Glocke sein, die da beide Alben einläutet). Alle anderen dürfen sich an roh brachialem Schlagzeug mit melodischen Untertönen erfreuen. Rumpel die Katz!

Anträge auf Exkommunikation bitte an meinen Ortsbischof.

Nach diesem Album hat die Band leider steil fallend und kontinuierlich abgebaut. Finde erstaunlicherweise nicht nur ich.

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kainlogoIm letzten Sommerurlaub stieß ich in der Legacy auf einen Beitrag über Kain. Eine Metal-Band, die sich auf den Hintergrund „christlicher Mythologie“ mit Gut und Böse auseinandersetzt? Haben will! Es dauerte zwar noch, bis sich – ratter, ratter, ratter, woher kannte ich den Namen? – der Keyboarder/Komponist der Band auf meine Homepage verirrte, daß ich die Scheibe auch wirklich in den Händen hielt. Aber dieses Album konnte ich doch nicht übergehen.

Als ich die Scheibe dann in den Händen hielt, erstmal Ernüchterung: Da stand was von Pagan/Black Metal und „für Fans von Eisregen, Varg, Equilibrium, early Die Apokalyptischen Reiter, Thrudvangar, Catamenia…“ – irgendwie nicht so meine Baustelle. Varg, Equilibrium, – habe ich schonmal gehört, sind ohne nennenswerte Erinnerung; Thrudvangar, Catamenia – kenne ich nichtmal; Anklänge an frühe Apokalyptische Reiter – kann ich nicht finden; Eisregen – ja, im Gesang, vor allem in „Verkünder des Hasses“ (das ich allerdings für das schwächste Lied des Albums halte).

kaingroup1 Durch diese Vorgaben aber erstmal auf Black Metal gepolt, dauerte es eine ganze Weile, bis ich die Elemente erkannte, die (zutreffender) auf der Bandhomepage genannt werden – Black Metal und Melodic Death Metal. Letzteres ist etwas mehr meine Baustelle, allerdings bin ich da entwicklungsmäßig vor ca. 10 Jahren stehen geblieben (frühe In Flames [bis Reroute to Remain], Arch Enemy [Stigmata regelt!], At the Gates; mit Dark Tranquillity z.B. bin ich aber nie warm geworden). Daher lag mir auf der Zunge: Was kommt raus, wenn man Black Metal und Melodic Death Metal mischt? Klar: Melodic Black Metal.“ Entsprechend war mein erster Eindruck: Klingt nach Bal-Sagoth. Nach mehrmaligem Hören konnte ich dann auch Black Metal- von Melodic Death-Elementen unterscheiden. Spricht ja zunächst einmal für die Musik, daß alles nach einem Guß klingt. Und in „Sturz des Lichtbringers“ kann ich auch noch ein bißchen Primordial und damit Pagan Metal raushören.

Inhaltlich wurde mir aufgetragen, die Texte nicht zu überinterpretieren, was ich auch gar nicht tun will. Gute Metal-Lyrics zeichnen sich sowieso dadurch aus, daß sie verschiedenen Interpretationen zugänglich sind und ihre Interpretation mehr über den Deutenden als die Texte aussagt. Wie schon im Legacy-Beitrag angekündigt, drehen sich die Texte um die ersten Kapitel der Genesis und was sich so an Legenden darumherum entwickelt hat (Göttersöhne, Menschentöchter; Engelsturz; Krieg gegen den Himmel; Kains Mord an Abel). Was das Traditionalistenherz besonders erfreut: Hier wird nichts problematisiert, aus der Zeit heraus (weg-)erklärt und psychologisch umgedeutet, sondern das mythisch-legendarische Material in seiner überlieftern Form verarbeitet und dargestellt – eingeschlossen die eher Black Metal-untypische Niederlage des Teufels gegen Michael („Sturz des Lichtbringers“). (Untypischer ist vielleicht nur noch das Falco-Cover „Out of the Dark“ als „Hidden Track“ am Ende… Wobei mich das Stück in diesem Konstext beinahe doch zu einer inhaltlichen Gesamtdeutung des Albums verleitet hätte – „Muß ich denn sterben um zu leben?“ *g*)

Zurück zur Musik. Herausragend sind für mich „Freiheit ruft“ und „Vom Erdenleid“. Letzteres ist eine gute Mischung aus Melodic Death und Black Metal-Brachialität mit ein paar Mosh-Parts, Tempowechseln und ein paar infernalischen, aber wohl technisch erzeugten stimmlichen Einlagen – und vor allem Riffs die im Ohr bleiben. (Apropos Gesang: In „Fleischeslust“ kriegt man ernsthaft und trotz Berücksichtigung der Differenz zwischen Sänger und Lyrischem Ich Sorgen um das Seelenheil des Sängers 🙂 Da zeigt er, was er mit seiner Stimme machen kann, im Rest bewegt er sich leider im Bereich des „Üblichen“, Genretypischen, Durchschnittlichen.)

„Freiheit ruft“ – hört selbst:

So muß Metal klingen, wenn er denn schon melodisch sein muß. Das Stampfen des Songs bringt gut den Stolz des Teufels zum Ausdruck, der die Engel zum Aufstand aufruft; die Riffs bringen zugleich ein wenig Melancholie mit ins Spiel, die dem Thema objektiv gesehen durchaus angemessen ist, die der geifernde Gesang aber überheblich kontrastiert; Fills unterstützen die Wirkung von Überheblichkeit. Das größte Lob hatte aber meine Frau auf Lager, als ich ihr den Song mit der Erläuterung: „Das ist die Aufstandspredigt des Teufels im Himmel“, vorspielte: „So klingt’s auch!“ – Bingo! Das ist Metal: Klingt musikalisch dem textlichen Inhalt entsprechend. Ist allerdings der für das Album untypischste Song.

Insgesamt: Mir gefällt’s, kann man gut nebenbei hören, ist handwerklich voll in Ordnung, aber kein Meilenstein der Musikgeschichte. Der Gesang in „Fleischeslust“ sowie die Songs „Freiheit ruft“ und „Vom Erdenleid“ zeigen das Potential der Band und machen Lust auf mehr. Selbst wenn’s melodisch ist 🙂

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Eine kleine Rückschau, zu Anspruchsvollerem bin ich heute nicht mehr in der Lage:

Das Wetter hielt sich erstaunlich gut, mein Zelt leider nicht. Fachterminus ist wohl „Wasserbrücke“, nämlich zwischen Innen- und Außenzelt… Und damit bin ich auch schon beim größten Kritikpunkt des neuen Geländes angelangt: Während der Boden in Bad Berka dermaßen weich war, daß er nach ein paar Regengüssen nicht mehr viel brauchte, um davonzuschwimmen, war der Boden in Schlotheim dermaßen hart, daß die Heringe nur mit viel Mühe oder reichlich Glück tiefer als einen halben Zentimeter in den Boden zu kriegen waren. Zumindest an meiner Zeltstelle. Der feste Boden machte sich dann auch beim Schlafen bemerkbar. Wo kriege ich jetzt ’nen neuen Rücken her?

Das Billing war ja leider etwas Black Metal-lastig. Dadurch war der Freitag im großen und ganzen langweilig. Hinzu kamen die Unbillen des Wetters. Am Donnerstag hatte es drei Stunden vor Beginn das Bühnendach (in Form einer Plane) zerlegt, so daß die alte Party.San-Tradition der „Tent Stage“ am Donnerstag wieder auflebte (ein Open Air unterm Zeltdach…). Dafür fiel kein einziger Tropfen Regen. Wäre ein schöner Abend gewesen. Vielleicht hätte ich bei frischer Luft und in liegender Position der eher meditativen Musik von Negura Bunget was abgewinnen und von Decapitated auch was sehen können. Daß ich auch Darkened Nocturn Slaughtercult was abgewinnen konnte, behalte ich lieber für mich, sonst heißt’s wieder: „Wieso unterstüzt Du diesen Satanskram?!“ (In diesem Fall wäre die Antwort noch zu ergänzen um die Erfahrung, daß ich jedes Jahr Anlaß zu religiösen Diskussionen gebe, sogar zu sachlichen 🙂

Pünktlich zur ersten Band am Freitag, die man sich anhören konnte, begann es dann sintflutartig zu schiffen — mit den Folgen a) für mein Zelt (s.o.) und b) daß ich von Desultory nicht viel gehört habe. Puteraeon war irgendwie noch zu früh für mich, Skeletonwhitch zu thrashig, obwohl man mir mit „genialer Stilmix von Black Metal bis NWoBHM“ durchaus Lust auf die Band gemacht hatte. Danach kam dann gaaaanz viel Black Metal. Primordial war nicht annähernd so gut wie auf Platte (und auch nicht wie beim PSOA 2007), den Hype um Melechesh kann ich einfach nicht nachvollziehen (mag ja einzigartig sein, aber nicht alles Einzigartige ist auch gut) und 1349 war zwar lautes und schnelles Geknüppel, aber leider auch nicht mehr. Mit Ensiferum gab’s dann ein wenig Viking Metal-Entspannung, von der mich dann der Regen ins Camp zurücktrieb, von wo ich leicht wehmütig den Klängen von Morbid Angel lauschte, die anscheinend das halbe Altars of Madness-Album runtergespielt haben. Aber auch hier behalte ich lieber für mich, daß die offenbar vom Wiener Aktionismus inspirierten Belphegor für mich den besten Auftritt des Tages hingelegt haben (ganz im Gegensatz zum PSOA 2007, wo ich sie absolut schlecht fand).

Nach einer leidlich trock(n)en(d)en Nacht ging der Samstag dann aber gleich viel besser los, nämlich mit einer ordentlichen Prise, nun, nennen wir es mal unter Absehen vom exakten Genrenamen einfach mal Grindcore zum Wachwerden von Cliteater (fragt nicht…). Obwohl Whitchburner anschließend im großen und ganzen Thrash Metal spielten, konnte ich sie viel besser leiden als viele andere schnell und laut Bands vorher — wie könne man gegen eine Band sein, die den Hexenhammer vertont. (*hüstel*) Der Preis für den schlechtesten Bandnamen ever geht an die dann folgenden Panzerchrist aus Dänemark. Auch der Party-Pagan Metal-Entspannungsauftritt von Heidevolk war dann noch irgendwie zu überstehen, bevor dann der Lacher des Tages eine Änderung der Running Order ankündigte: Exhumed standen in Bad Berka und konnten einfach das Festival nicht finden. Dafür wurde dann Taake vorgezogen, die mir bisher nur durch einen peinlichen und seltendämlichen Aussetzer ihres Frontmanns Høst aufgefallen waren. Wo ich aber schonmal da war (und keine Lust hatte aufzustehen), konnte ich sie mir auch ebensogut anhören — mit dem Ergebnis der absoluten Überraschung des ganzen Festivals: Wo True Norwegian Black Metal draufsteht, kann gute Musik drinstecken, die auch noch Lust auf mehr macht? Eigentlich unmöglich, aber dennoch… Und selbst Høst stellte sich wie im Programmheft beschrieben — in meiner bisherigen Vorstellung von norwegischem Black Metal eigentlich nicht denkbar — als „Rampensau“ heraus. Ein Black Metaller, der auf der Bühne Spaß hat und das dem Publikum auch noch zeigt? Was kommt als nächstes? Wird der Papst evangelisch?

Nachtmystium sollen Black Metal mit 70er Jahre Acid Rock vermischen. Schade nur, daß man davon so wenig gehört hat, der Black Metal-Anteil war akustisch einfach überepräsentiert. Danach aber konnte eigentlich nicht mehr viel schief gehen. Oder doch? Hail of Bullets haben sich leider unter Wert verkauft (das könnt ihr besser!). Bei Watain habe ich mein Zelt abgebaut (solange es noch Tageslicht gab — was ich vom Camp aus gehört habe, klang aber besser und spaßiger als das, was ich in Erinnerung hatte). Morgoth hatten die dämlichsten Ansagen des ganzen Festivals („Wir sind Morgoth, wer seid ihr?“ *Schweigen* sowie vor und nach jedem Song „Wir sind Morgoth und wir sind zurück; hätten wir jetzt kaum gemerkt), haben sie aber mit der Musik wieder mehr als wettgemacht. Enslaved haben sich leider auf die jüngeren, „progressiven“ Alben konzentriert und Eld völlig außen vor gelassen :-(. Na gut, bei Enslaved muß man wenigstens zugeben, daß sie „progressiv“ nicht nur als Euphemismus für „ideenlos“ verwenden, aber mir ist das zu abgespaced. Mehrminütige Ruhephasen brauche ich nicht, selbst wenn sie sich mit übelsten Ausbrüchen kombinieren. Zu At the Gates waren aus unserem Camp nur noch drei Leute übrig, die anderen sieben waren schon im Bett oder sogar schon auf dem Weg nach hause. Selbst schuld, denn At the Gates waren besser als auf Platte! Dort haben sie mich nicht so richtig mitreißen können, auf der Bühne schon! Ein würdiger Abschluß eines sich zum Ende hin deutlich steigernden Festivals.

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So, heute headlined At the Gates, also wäre wieder Death Metal dran, genauer: Die Band gilt als Begründer des Göteborg Death Metals oder Melodic Death Metal. Habe ich aber gerade keine Lust drauf, also werde ich aus den wenigen (in meinen Ohren) guten Black Metal-Songs ein paar auswählen (und dabei mich nicht allzusehr von Genregrenzen wie Pagan oder Viking Metal aufhalten lassen, sonst beschränkt sich das hier im Wesentlichen auf Immortal).

Enslaved — 793 (Slaget om Lindisfarne)
Co-Headliner sind heute Enslaved. Drum der meiner Meinung nach beste Song von denen, deren Text, in dem der Überfall auf das ungeschützte Kloster Lindisfarne verherrlicht wird, man besser ignoriert. Da auf irgendwas a la „ancient scandinavian“ gesungen, versteht man ihn eh nicht. Aber musikalisch ist das Stück von 1997 eine gute Viertelstunde Orgasmus.

Immortal — Pure Holocaust
Wie gesagt, es geht nicht ohne Immortal. Spätere Alben sind mir zu glatt, daher das Titelstück vom absolut politisch inkorrekt betitelten zweiten Album (1993). (Wobei man dazu sagen muß, hier wird „Holocaust“ im eigentlichen Wortsinne verwendet und „Pure Holocaust“ beschreibt eine Apokalypse. Daß die Band sich der Provokation nicht bewußt gewesen sein soll, halte ich allerdings für absolut unglaubwürdig.)

Bathory — One Rode to Asa Bay
Black Metal zu sagen, bedeutet (nach Venom) Bathory zu meinen. In der Black Metal-Phase aber m.E. absolut unhörbar, drum ein wenig Viking Stuff von 1990:

Cradle of Filth — The Forest Whispers My Name
Auch nicht fehlen darf mein erster Kontakt mit Extreme Metal in Form von Cradle of Filth bzw. deren Song „The Forest Whispers My Name“ (1994). Als ich den das erste Mal hörte (ca. 1999/2000), wußte ich noch nicht einmal, daß es sowas wie Black Metal überhaupt gibt. Da war für mich alles noch „Heavy“ oder nur „Metal“ und dieser Song absolut „fucking awesome“ und so ziemlich das letzte mal, daß mir ein Metalsong so richtig evil und gefährlich schien.

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Wat dem einen sein Karneval ist dem andern sein Party.San. Drei Tage zelten, leben, schlafen, essen und frieren im Schlamm. Dazu eine Überdosis Death/Black/Thrash Metal sowie Ernährung von Fast Food und Bier. Jährlich am zweiten August-Wochenende. Dieses Jahr möglicherweise sogar mit ein paar Sonnenstrahlen und — dank neuer Location auf einem Flughafen — mit befestigten Wegen im Camp-Area. Hier also Commonitoria in der Party.San-Edition mit ein paar Impressionen vom letzten Jahr, in dem meine Stiefel schon kurz nach der Anreise ihr Leben ausgehaucht hatten:



Danach weiß man dann ein festes Dach über dem Kopf, Seife und eine Dusche wieder viel besser zu schätzen. Die Soundqualität ist übrigens auf dem Party.San in aller Regel spitze. Wenn sie auf den Videos anders wirkt, liegt das an den Handys, die sie aufgenommen haben.

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