Erfurt

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Ich mache mal gleich da weiter, wo ich das letzte Mal aufgehört habe. Mein Wunsch ist nicht ganz in Erfüllung gegangen, aber alle Weihnachtspredigten waren im Grunde Variationen des Grundthemas der „Vorweihnachtspredigt“, es ging immer um die Größe Gottes, die sich von unseren Vorstellungen von Größe unterscheidet und sich gerade in der Demut zeigt. Der Pfarrer in der Christmette hatte wohl eher die im Blick, die mit der Christmette wahrscheinlich ihren einzigen Gottesdienst im Jahr besucht haben. So ging die Predigt ein wenig an meiner Lebenswirklichkeit vorbei, aber ich bin ja nicht der Maßstab 🙂 Auf den Punkt ist er nach vielen Vorbereitungen trotzdem gekommen.

Die Predigten am 25. und 26. kreisten um „wahrer Mensch und wahrer Gott“, was keinen Kompromiß darstelle, sondern zwei Wahrheiten, die nebeneinander stehen. In beiden Predigten war ich in Gedanken allerdings etwas abgeschweift, da ich gewisse Zweifel an der Quellenangabe „Konzil von Konstantinopel 381“ hatte… Der eigentlich damit angesprochene Punkt, daß es sehr lange gedauert hat, bis die Menschen überhaupt einen Weg gefunden hatten, die Menschwerdung Gottes zu denken, wäre durch „Chalkedon 451“ aber nur noch deutlicher gewesen. 🙂

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Man merkt, daß der Vorweihnachtsstreß schon voll zugeschlagen hat. Als ich heute zwei Minuten vor Beginn der Messe in die Kirche kam, war ich der erste Gottesdienstteilnehmer ohne liturgischen Dienst (kurz nach Beginn der Messe kam immerhin noch ein weiterer). Das ist nicht nur eher unüblich für hiesige Verhältnisse, sondern auch sehr schade, da die Predigt (ja, Predigt an einem Werktag!) sehr hörenswert und sehr angemessen zwei Tage vor Weihnachten war:

Gott ist nicht so, wie wir ihn uns wünschen und vorstellen. Zacharias habe sich nicht vorstellen können, daß Gott tatsächlich das tut (tun kann), was Er ihm verkündigen ließ. Dabei hatte Gott noch viel Größeres vor, als was Er Zacharias bekannt gab. Was Zacharias gesagt hätte, wenn er die ganze Ungeheuerlichkeit der Menschwerdung mitgeteilt bekommen hätte? Womöglich noch mit dem Ziel der Erlösung — durch das Kreuz? Da versagt das menschliche Denken. Und die gleiche Ungeheuerlichkeit passiert in der Eucharistie. Der Schöpfer aller Ding, der alles in der Hand hält und ständig erhält — wir würden spurlos aufhören zu existieren, wenn er seine Hand zurückzöge! (kann mich nicht erinnern, jemals zuvor in irgendeiner Predigt was von creatio continua gehört zu haben, schon gar nicht als Selbstverständlichkeit mal so eben nebenbei in einem Nebensatz) –, Er kommt zu uns unter den unscheinbaren Gestalten von Brot und Wein. Das können wir uns nicht adäquat vorstellen — und doch ist es so! Gott ist anders als wir Ihn uns vorstellen können, nämlich größer, und die wahre Gottesfurcht besteht darin, gerade auch dann, wenn Gott anders handelt, als wir uns das wünschen oder vorstellen (können), Ihm zu glauben, auf Ihn zu vertrauen.

Ich bin baff und wünsche mir dieselbe Tiefe, denselben Rundumschlag von der Predigt in der Christmette vor 400 statt vor vier Gläubigen 🙂

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Kind: „Der Nikolaus kommt in jedes Haus. In unser Haus, in das Haus, in den Kindergarten, in die Schule, in den Dom.“
Vater: „In den Dom?“
Kind: „Ja, in den Dom.“
Vater: „Wohnt denn da jemand?“
Kind: „Na klar!“
Vater: „Wer denn?“
Kind mit entrüsteter Stimme (Marke „Wie blöd bist Du denn, das weiß doch jedes Baby!“): „Na, Gott natürlich!“

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So, wo ich jetzt sowieso schon wieder ein Lebenszeichen von mir gegeben habe, kann ich auch gleich erklären, warum es ein solches in den letzten drei, vier Wochen nicht bzw. kaum gab:

Stell Dir vor, es ist Karneval, und keiner geht hin — dann kommt der Karneval zu Dir. Ja, meine letzten Wochen waren teilweise ziemlich karnevalesk, und das, obwohl ich mit Karneval nichts anfangen kann und ihm aus dem Weg gehe, wo immer ich kann. Das Schlimme ist eigentlich nur, daß mit Aschermittwoch nicht alles vorbei war (und auch nicht erst im Februar angefangen hat). Zwar hat sich’s etwas beruhigt, aber das liegt wohl eher an meinem gewandelten Verhältnis zu den fraglichen Dingen (wenn ich eine meiner ältesten Spuren in der Blogoezese nicht längst hätte löschen lassen, müßte ich es jetzt tun, denn ich war idealistisch verblendet). Lange Rede kurzer Sinn: Es ist alles[tm] noch viel schlimmer als ich bisher dachte.

Allerdings kann ich auch nicht so einfach aufhören, an das Gute zu glauben (nicht das Gute im Menschen, aber an das absolute Gut), was es etwas schwer macht, zum Zyniker zu werden (was eine angemessene Reaktion hätte sein können). Bliebe die Möglichkeit, alles hinzuschmeißen und „die“ ihren Dreck alleine machen zu lassen (Wo bitte geht’s zur nächsten Kartause?). Obwohl alles genau darauf hinauslief — Perspektivlosigkeit, Gängelung, Verweigerung von Verantwortungsübernahme –, fehlt mir aber völlig das Gefühl, „da“ jetzt rauszuwollen (was vor und in den letzten drei Wochen schon ziemlich massiv war). Stattdessen macht sich in mir (mal wieder) dieses durchaus angenehme „Fuck You!“-Gefühl breit, es „denen“ zu zeigen und nicht klein beizugeben (was vielleicht genau das ist, was „die“ wollen), die (apokyalyptische) Bereitschaft, gegen eine Übermacht zu kämpfen, das absolute Gegenteil von Verzweiflung. Ja, ich bin Triumphalist, und das ist gut so!

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Im Gemeindehaus wurde ein Chormantel augebuddelt, der offenbar zuletzt vorkonziliar in Gebrauch war (oder so). Jedenfalls ist er ein Stück weit verstaubt und verdreckt. Kennt sich jemand damit aus, wie man sowas pflegt/reinigt? Waschen, legen, föhnen, bügeln — oder besser nur ausklopfen?

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Gestern wurde ich um die Wiederkunft gebracht. Dabei ist der erste Advent praktisch ausschließlich dem zweiten Advent gewidmet. Schon der Eröffnungsvers ist dermaßen auf Gericht ausgerichtet:

Zu Dir, Herr, erhebe ich meine Seele. Mein Gott, Dir vertraue ich. Laß mich nicht scheitern, laß meine Feinde nicht triumphieren! Denn niemand, der auf Dich hofft, wird zuschanden. (Ps 25, 1-3)

Der fiel – natürlich – aus, stattdessen wurde immerhin „Macht hoch die Tür, die Tor macht weit“ gesungen. Das Tagesgebet konnte der Pfarrer natürlich nicht umgehen (und ihm persönlich würde ich auch überhaupt keine Böswilligkeit unterstellen; aber offenbar wollte er „die armen Kleinen“ nicht erschrecken; vielleicht sollte ich nicht mehr in „Familiengottesdienste“ gehen, aber das kann man sich ja leider nicht immer aussuchen). Trotzdem spielte das Thema im weiteren kaum eine Rolle. Der vermaledeiten Lesungsauswahl fiel daher diesmal auch nicht die alttestamentliche Lesung aus dem Buch Jeremia zum Opfer, denn die kann man ja auch auf den ersten Advent Christi beziehen, sondern die eindeutig eschatologische zweite Lesung aus dem ersten Brief des Apostels Paulus an die Thessalonicher:

Brüder!
Der Herr lasse Euch wachsen und reich werden in der Liebe zueinander und zu allen, wie auch wir Euch lieben, damit euer Herz gefestigt wird und ihr ohne Tadel seid, geheiligt vor Gott, unserem Vater, wenn Jesus, unser Herr, mit allen Seinen Heiligen kommt.

Im übrigen, Brüder, bitten und ermahnen wir Euch im Namen Jesu, des Herr: Ihr habt von uns gelernt, wie ihr leben müßt, um Gott zu gefallen, und ihr lebt auch so; werdet darin noch vollkommener! Ihr wißt ja, welche Ermahnungen wir euch im Auftrag Jesu, des Herrn gegeben haben.

Da das Evangelium obligatorisch ist, durfte ich wenigstens hören: „Wenn all das beginnt, dann richtet euch auf, und erhebt eure Häupter, denn eure Erlösung ist nahe.“

Da wäre ja noch einiges zu retten gewesen. Aber die Predigt – oder besser: die Kinderkatechese – war ja dermaßen flach! Einziger Bezugspunkt zu den Texten der Lesungen waren „die Sterne“, die er auf den Stern von Bethlehem bezog. Und, flupps, war der Bogen vom eschatologisch-apokalyptischen Evangelium zu Weihnachten geschlagen: Der Stern von Bethlehem. Fazit: Gott ist der Stern, der uns Orientierung gibt. Ist ja nicht falsch – aber am ersten Adventssonntag doch etwas zu flach.

Aber damit nicht genug. Am Abend wollte ich diesen Mangel aus der Messe in der kleinen Adventsfeier in der Familie ausgleichen. Aber habe ich in den ganzen Kinderbibeln überhaupt irgendwas eschatologisches oder gar apokalyptisches gefunden? Selbst bei der Sintflutgeschichte wird der Grund für die Sintflut, der Ärger Gottes über das Böse der Menschen und die Absicht, den Menschen zu vernichten, unterschlagen. Stattdessen ist viel von „Gottes schwimmendem Zoo“ die Rede. So verlieren Sintflut und Regenbogen natürlich völlig ihre typologische Kraft auf Taufe und den Neuen Bund hin… Letztlich fand ich nur in einer einzigen Kinderbibel, die mir aus freikirchlichem Kontext zu stammen scheint, wenigstens ein wenig aus der Offenbarung des Johannes: Die 24 Ältesten, die 4 apokalyptischen Reiter und die Vision vom Himmlischen Jerusalem. Allerdings fehlt auch in dieser etwa Daniels Vision vom Menschensohn.

Meine Güte! Was ist denn so schlimm an der Wiederkunft, daß man sie anscheinend keinem zumuten kann?! Ich, als Apokalyptiker, fühle mich jedenfalls diskriminiert. Und jetzt seid ihr bitte alle ganz betroffen!

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