Rosenkranz

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Die Gläubigen sollen also die Welt heiligen. Aber wie heiligt man die Welt?

In der ostkirchlichen Theologie bin ich in diesem Kontext auf den auf den ersten Blick etwas esoterisch anmutenden Begriff „Priester der Schöpfung“ gestoßen. Ich weiß nicht, wie allgemein verbreitet dieser Begriff in der orthodoxen Theologie ist, ich bin nicht gerade ein Kenner derselben. Der Kontext, in dem er fiel, war jedoch ein klassischer Topos orthodoxen Denkens, nämlich die Theiosis, die Vergöttlichung. Hier wird jeder Gläubige zum Mittler des Heiles Gottes, und das nicht nur gegenüber anderen Menschen, sondern der gesamten Schöpfung. Der Gläubige ist berufen, (sich und) die gesamte Schöpfung auf Gott auszurichten und so zu vergöttlichen. Auf dem Hintergrund von Gen 3 klingt das für „lateinische“ Ohren etwas schräg, der Gedanke ist aber sehr wohl auch in der westlichen Tradition präsent und wird dort bezeichnet als – Heiligung!

Begründet ist dieser Gedanke im Römerbrief:

Denn die ganze Schöpfung wartet sehnsüchtig auf das Offenbarwerden der Söhne Gottes. Die Schöpfung ist der Vergänglichkeit unterworfen, nicht aus eigenem Willen, sondern durch den, der sie unterworfen hat; aber zugleich gab er ihr Hoffnung: Auch die Schöpfung soll von der Sklaverei und Verlorenheit befreit werden zur Freiheit und Herrlichkeit der Kinder Gottes. Denn wir wissen, dass die gesamte Schöpfung bis zum heutigen Tag seufzt und in Geburtswehen liegt. (Röm 8,19–22)

Wie aber heiligt man „die Schöpfung“, wie verkündet man „der Schöpfung“ das Evangelium?! Diese Frage hat mich jahrelang beschäftigt, obwohl die Antwort eigentlich so nahe liegt. Denn wie heilige ich mich selbst, abgesehen von den Sakramenten, die ich nur empfangen, aber nicht spenden kann? Wie heilige ich meine Kinder? – Durch Gebet, Buße, Fasten, Almosengeben; durch Segnen, sie an das Wort Gottes heranführen und erklären. Was aber bleibt dabei für „die Schöpfung“, also auch für die unbelebte, übrig? Natürlich vor allem das Gebet, aber auch das Segnen: Einfach mal durch die Stadt oder die Natur gehen und beten – Gott lobpreisen und für die Menschen, die einem begegnen, beten, sie still segnen.

Bei mir ging dieser Erkenntnis die Praxis voraus. Als ich das erste Mal unterwegs gebetet habe, den Rosenkranz, den zu beten meine eigentliche Motivation war, „draußen“ zu beten (weil in einer großen Familie drinnen die Ruhe fehlt), fühlte ich mich ziemlich komisch, insbesondere, da ich auf dem Weg wohin war, wo ich mit meinem Glauben ziemlich alleine dazustehen erwartete. Schon die Gegend (sozialistisches Plattenbaugebiet) war nicht unbedingt der Andacht förderlich. Der eigentliche Grund, mich komisch zu fühlen, lag aber überhaupt nicht in den Äußerlichkeiten. Nein, der Grund lag in mir. Zunächst einmal war es ungewohnt, aber warum war es ungewohnt? Weil ich merkte, daß ich nach wie vor die Trennung zwischen Kirche und Welt (Glaube und Gebet hier, „normal“ sein dort) praktizierte, obwohl ich sie rational schon lange massiv in Frage gestellt hatte und durchaus zu meinem Glauben stand, wenn ich angefragt wurde oder in Konflikte zwischen Glaube und Welt geriet. Aber eben nicht in der Praxis des Gebets.

Diese Situation des Ungwohnten und ein bißchen auch Unangenehmen auszuhalten und allmählich zu überwinden hat mir der Rosenkranz sehr erleichtert. Es ist immer schwer, im Trubel der Stadt die Gebetskonzentration zu halten, insbesondere da mir schlicht die Zeit fehlt, extra zum Beten in die Stadt zu gehen und ich somit auf meinen alltäglichen Wegen zu beten versuche. Frei zu beten wäre schlicht schiefgegangen: zu viel Ablenkung, zu viele vom Gebet ablenkende Gedanken. Der Rosenkranz war hier eine nicht zu unterschätzende Hilfe. An ihm konnte ich mich „festhalten“, an seinen Wiederholungen von durch und durch auswendig bekannten (Grund-)Gebeten, vor allem aber auch ganz praktisch an der haptilen Hilfe der Perlen, die mich sowohl daran erinnerten, daß ich beten wollte als auch was ich beten wollte – und wo ich eigentlich gerade im Gebet war.

Ich garantiere: Das verändert. Zunächst den Beter, aber dann (insbesondere bei Regelmäßigkeit) auch die „bebeteten“ Orte und schließlich die „bebeteten“ Menschen. Denn man sollte bei all dem auch die geistliche Dimension nicht vergessen: „Denn wir haben nicht gegen Menschen aus Fleisch und Blut zu kämpfen, sondern gegen die Fürsten und Gewalten, gegen die Beherrscher dieser finsteren Welt, gegen die bösen Geister des himmlischen Bereichs.“ (Eph 6,12) Auch hier habe ich noch vor Jahren den Gedanken, daß es eine „geistliche Qualität“ von Orten gibt, daß das Böse, aber auch das Gute, sich an ihnen festsetzen kann, als esoterisch abgelehnt. Bis ich schließlich genau das erfahren habe.

Irgendwann stellte ich fest, daß die geistlichen Angriffe (die sich sehr konkret weltlich äußern können) alle aus einer bestimmten Himmelsrichtung kamen – in die ich selten bis nie ging. Als ich mir dann vornahm, genau diese Richtung in Angriff zu nehmen, fiel mir auf, daß ich reproduzierbar immer in einer bestimmten Straße besondere Schwierigkeiten hatte, die Gebetskonzentration zu halten. Natürlich kommt es immer mal vor, daß man sich „verhaspelt“, den Faden verliert, trotz der Perlen nicht mehr weiß, wo man eigentlich gerade war. Aber nicht so kontinuierlich in einer bestimmten Straße, vor bestimmten Häusern. Selbst als ich im Lichte dieser Erfahrung mich bewußt konzentrierte, kam ich noch raus. Erst mit der Zeit wurde es besser, aber ich spüre dort immer noch besonderen Widerstand gegen mein Gebet. Die geistlichen Angriffe haben seitdem zumindest erstmal eine Pause eingelegt. Und so wage ich zu behaupten, daß mein unauffälliges Gebet in dieser Straße, vor diesen Häusern, eine ganz konkret heiligende Wirkung auf diese Straße hat, daß ich hier der Schöpfung die Erlösung verkünde (denn nichts anderes sind ja die Rosenkranzgesätze von „den Du, oh Jungfrau, vom Heiligen Geist empfangen hast“ über „der für uns am Kreuz gestorben ist“ bis hin zu „der alles vollenden wird“).

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Cannibal Corpse müssen noch etwas warten, ich will erst noch was anderes aufgreifen. Seitdem ich mit Maria ins Reine gekommen bin, reagiere ich etwas allergisch auf das, was vorher auch meine Sorgen waren – obwohl rein sachlich betrachtet die Sorgen ja nicht völlig falsch waren (nur halt eher vorgeschoben). Wie das halt so ist: Nach einer Bekehrung fällt der Bekehrte mitunter ins gegenteilige Extrem. Drum diesen Post bitte cum grano salis genießen.

Zwei Dinge sind mir in den letzten Jahren in der Blogoezese dermaßen aufgestoßen, daß ich auch über meine „Schweigenszeit“ hinweg sie nicht vergessen habe. Heute will ich erstmal auf das Fatima-Gebet eingehen, d.h. den Einschub ins Rosenkranzgebet.

Dazu habe ich auf verschiedenen Blogs Aussagen gelesen wie: „wurde zum Glück in meiner Gemeinde nicht gebetet“ oder „finde ich schrecklich“.

Eins vorweg: Wenn damit einfach nur eine persönliche Abneigung ausgedrückt werden soll – kein Ding! Das wäre eine reine Frage der persönlichen Frömmigkeit. Mir schien es aber das eine oder andere Mal mehr zu sein. Nämlich eine grundsätzliche Ablehnung dieses Gebetes, so im Sinne von „wie kann man nur“.

Damit hätte ich tatsächlich ein Problem, und zwar, weil dieses Gebet, nüchtern betrachtet ja jetzt nicht so sonderlich problematisch ist (also selbst mein „Häresiefinder“ nicht angeschlagen hätte):

O mein Jesus, liebevolle Anrede
verzeih uns unsere Sünden! beten wir in jedem Vater unser
Bewahre uns vor dem Feuer der Hölle! Bitte, nicht verloren zu gehen
Führe alle Seelen in den Himmel, einzige mögliche Gefahr: Allversöhnung (ganz schön weit hergeholt, oder?)
besonders jene, die deiner Barmherzigkeit am meisten bedürfen. Fürbitte, für die, die sie am nötigsten haben, also geradezu Ausdruck von Feindesliebe

Ok, persönliche Vorbehalte von wegen „Feuer“, „Sünden“ und „Hölle“ – geschenkt. Hab vollstes Verständnis für jeden, der sich damit schwer tut, z.B. weil er dadurch Angst vor dem Scheitern bekommt (der Mensch ist leider nicht immer rational). Aber: Ich gehe in solcher Sprache geradezu auf (guckst Du Metal: Heaven and Hell, Fire in the Sky, Disciples of the Lie, „trapped in purgatory“ – um nur meine unmittelbarsten Assoziationen zu nennen), und ich hätte ein Problem damit, wenn mir das jemand verbieten wollen würde.

Wie gesagt: Das Gebet muß nicht jeder mögen und schon gar nicht zum Teil seiner persönlichen Frömmigkeit machen. Ich räume auch ein, daß manch einem dadurch der Rosenkranz sogar unzugänglich werden könnte. Aber ich denke – und das zuzugeben, da sollte keinem ein Zacken aus der Krone brechen -, das Problem ist eher subjektiv als objektiv begründet.

Leben und leben lassen – und nicht unnötigerweise ein Schibboleth draus machen.

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