Advent

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Diesen Post schreibe ich quasi „zwischen den Jahren“. Mit der Non des Samstags der 34. Woche endet liturgisch das alte Kirchenjahr, mit der ersten Vesper des ersten Adventssonntags beginnt das neue.

Jetzt wird alles anders: Liturgische Farbe ist jetzt violett statt grün; ensprechend steht das grüne Stundebuch schon wieder im Regal, und das blaue liegt schon bereit und ist „bebändelt“; an den Sonntagen werden wir jetzt aus dem Lukas- statt dem Markusevangelium hören, und auch an den Werktagen ändert sich das Lesejahr (1 statt 2).

Andererseits bleibt fürs erste alles beim Alten. Wie an Christkönig und den vorangegangenen Wochen dreht sich alles um die Wiederkunft. Hieß es am letzten Sonntag in der zweiten Lesung:

Siehe, Er kommt mit den Wolken, und jedes Auge wird Ihn sehen, auch alle, die Ihn durchbohrt haben; und alle Völker der Werde werden seinetwegen jammern und klagen. (Offb 1,7)

lautet die (zumindest in den hiesigen Landen auf Latein wohl bekanntere) Antiphon aus der heutigen Vesper:

Seht, der Herr wird kommen und alle seine Heiligen mit ihm. An jenem Tag leuchtet ein helles Licht. Halleluja. (Ecce Dominus veniet et omnes sancti eius cum eo: et erit in die illa lux magna. Halleluja. [vgl. GL-BBK 800, GL-BA 804])

Irgendwie gehen also die Kirchenjahre ineinander über. In der ersten Lesung vom ersten Adventssonntag ist schon vom Sproß Isais die Rede, die zweite und das Evangelium hingegen fokussieren den zweiten Advent, die Wiederkunft Christi. Die Adventszeit allein auf den ersten Advent, auf die Menschwerdung, zu beziehen, ist also zumindest einseitig. Erst ab dem zweiten (im gerade vergangenen Lesejahr sogar erst ab dem dritten) Adventssonntag konzentriert sich die Liturgie voll und ganz auf die Menschwerdung, und dann zunächst ausgerechnet mit Johannes dem Täufer und seiner Gerichtspredigt.

So ist von der heutigen Non zur heutigen Vesper quasi ansatzlos alles anders und bleibt doch beim Alten. Das alte Jahr hat keinen klaren Endpunkt, aber es wird auch nicht wie in einem Fade Out immer leiser, sondern es nimmt sich nicht zurück, bis der Advent ein neues Motiv einbringt, das in der äußeren Wahrnehmung alles „niederwalzt“, obwohl das Thema dasselbe bleibt.

Dieses Ineinanderverwobensein der Kirchenjahre sowie dem ersten und dem zweiten Advent dient nicht nur einem „weicheren“ Übergang (den ja eh kaum einer wahrnimmt) oder einer pädagogischen Absicht („vergeßt nicht vor lauter süßlicher Weihnachtszeit, daß das kleine Kind in der Krippe der Weltenschöpfer und -richter ist, der widerkommt“), sondern es hat einen tiefen geistlichen Sinn.

Wie für das Ineinander von präsentischer und futurischer Eschatologie im Johannesevangelium liegt des Rätsels Lösung in der Erkenntnis, daß das Gericht am Ende der Zeiten kein anderes ist als das Kreuz Christi, das für die einen zum verdammenden Urteil, für die anderen zum Heil wird.

Wer sich im Glauben unter das Kreuz stellt, wird daher tatsächlich nicht gerichtet werden, denn für ihn wird das Kreuz, das seine bösen Anteile und Werke richtet, zum Heil, indem es ihn von ihnen befreit. Er darf durch das Kreuz ganz der werden, der er von Gott her sein sollte. So kann er die Wiederkunft in der Hoffnung auf die Herrlichkeit Gottes und Seines Neuen Jerusalems freudig erwarten. Wer aber das Kreuz trotz Wissen um seine Bedeutung ablehnt, verurteilt sich selbst, er ist damit bereits gerichtet. Das Urteil wurde bereits während des ersten Advent, in der ersten Ankunft gesprochen.

So mag es zwar kontraintuitiv sein, daß im Advent mehr von Gericht und Unheil die Rede ist als zum Ende des Kirchenjahres, in dem die Herrlichkeit des neuen Jerusalems im Vordergrund steht, aber genau dieses Ineinanderübergehen der Kirchenjahre bringt eine tiefe geistliche Wahrheit zum Ausdruck.

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Man merkt, daß der Vorweihnachtsstreß schon voll zugeschlagen hat. Als ich heute zwei Minuten vor Beginn der Messe in die Kirche kam, war ich der erste Gottesdienstteilnehmer ohne liturgischen Dienst (kurz nach Beginn der Messe kam immerhin noch ein weiterer). Das ist nicht nur eher unüblich für hiesige Verhältnisse, sondern auch sehr schade, da die Predigt (ja, Predigt an einem Werktag!) sehr hörenswert und sehr angemessen zwei Tage vor Weihnachten war:

Gott ist nicht so, wie wir ihn uns wünschen und vorstellen. Zacharias habe sich nicht vorstellen können, daß Gott tatsächlich das tut (tun kann), was Er ihm verkündigen ließ. Dabei hatte Gott noch viel Größeres vor, als was Er Zacharias bekannt gab. Was Zacharias gesagt hätte, wenn er die ganze Ungeheuerlichkeit der Menschwerdung mitgeteilt bekommen hätte? Womöglich noch mit dem Ziel der Erlösung — durch das Kreuz? Da versagt das menschliche Denken. Und die gleiche Ungeheuerlichkeit passiert in der Eucharistie. Der Schöpfer aller Ding, der alles in der Hand hält und ständig erhält — wir würden spurlos aufhören zu existieren, wenn er seine Hand zurückzöge! (kann mich nicht erinnern, jemals zuvor in irgendeiner Predigt was von creatio continua gehört zu haben, schon gar nicht als Selbstverständlichkeit mal so eben nebenbei in einem Nebensatz) –, Er kommt zu uns unter den unscheinbaren Gestalten von Brot und Wein. Das können wir uns nicht adäquat vorstellen — und doch ist es so! Gott ist anders als wir Ihn uns vorstellen können, nämlich größer, und die wahre Gottesfurcht besteht darin, gerade auch dann, wenn Gott anders handelt, als wir uns das wünschen oder vorstellen (können), Ihm zu glauben, auf Ihn zu vertrauen.

Ich bin baff und wünsche mir dieselbe Tiefe, denselben Rundumschlag von der Predigt in der Christmette vor 400 statt vor vier Gläubigen 🙂

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Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, daß das Finanzamt jetzt sowohl rechtlich als auch rechnerisch fast vollständig auf meine Sicht der Dinge eingeschwenkt ist. Auf den Rest habe ich jetzt verzichtet (ging nur noch um ein paar hundert Euro mehr oder weniger Einkommen). Das hätten wir allerdings auch schon früher haben können. Nämlich auf der Grundlage meiner Steuererklärung. Daher und aufgrund der letzten Kontakte und Rechenfehler habe ich mich für „Inkompetenz“ und „Versuch, diese gegenüber Vorgesetzten und Steuerpflichtigem zu vertuschen“ entschieden.

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Blind can see the sun,
cripples walk alone,
deaf can hear my words,
they believe,

Just believe,
Just believe in me
Look! The signs are near
to perform my task
to perform my way

to perform
the way I walked

The way of the crucifix

Meine Frau hat mich deshalb schon für bekloppt erklärt, also paßt es wohl wunderbar in die Blogözese. Seit dem ersten Advent verstärkt sich in mir das unbändige Gefühl, zu Advendsliedern zu headbangen. Angefangen hat es mit „Macht hoch die Tür“, wo mir nur noch die Double Bass Drum fehlte. Bei genauerer Betrachtung und weil es sich bei immer mehr Liedern einstellte, ist mir aufgegangen, daß es an den Harmonien liegen muß. (Im Gegensatz zu Stanislaus werde ich nicht schon seit drei Wochen mit romantischen Dur-Liedern malträtiert, sondern durfte sogar die Melodie von „Oh Haupt voll Blut und Wunden“ singen :-).

Und nicht nur an den Harmonien, auch an den Inhalten. Kreuz, Gericht, Wiederkunft, Warten auf das Heil, das sind auch Themen des Metals, wenn auch in meist mehr oder weniger säkularisierter Form. Heute paßte mal wieder alles wie die Faust aufs Auge. Als ob Johannes vom Kreuz allein nicht schon gereicht hätte! (Ich hatte mal überlegt, ob ich die Dunkle Nacht an den Beginn meines im engeren Sinne theologischen Teils meiner Diss stelle.) Ne, es kam auch noch das Evangelium, das Grundlage des Songs meiner „richtigen“[tm] Metal-Initiation war (s.o. und — fast genau vor einem Jahr). Das war doch mal ein schönes Crossover!

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