Gesellschaft

Ich hatte heute eine Mail von meiner Frau in meiner Mehlbox.[1] Drin war ein Link (via Seraphic).

Ich muß ja sagen, das hat ohne Frage Stil! Obwohl die Übernahme dieser Regeln gravierende Änderungen an meinem Äußeren nach sich zögen, hatte ich schonmal angefangen zusammenzurechnen, welchen Preis ich dafür zu zahlen hätte (vor allem die Trennung von einem guten halben Meter Haar…). Aber dann gab es doch gravierende Rückschläge. Weder wollte mich meine Frau zu meinem Geburtstag mit passenden Kleidungsstücken beglücken, noch war sie in Punkt 2 des Manifests verhandlungsbereit. Wenn ich anfange zu rauchen, fliege ich raus.

Na gut, dann bleibt’s wohl vorläufig doch bei Jeans und Turnschuhen. Wobei, ein Kamelhaarumhang mit Ledergürtel…

[1] Ja, wir schreiben uns vom Wohnzimmer in die Küche[2] Mails.
[2] Küche steht hier übrigens für meine Wenigkeit. Seit ich mein Arbeitszimmer zugunsten der sich mehrenden Kinderschar aufgegeben habe, habe ich den Küchentisch als Arbeitsplatz okkupiert[3].
[3] Occupy Kitchen! Yeah!

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Bei meiner Auseinandersetzung mit dem Finanzamt habe ich mich zuletzt für die Erklärung „Inkompetenz“ entschieden. Was ich erst jetzt mitbekommen habe: „Viele“ Finanzämter und der Bundesfinanzhof haben die Inkompetenz bereits Ende November/Anfang Dezember selbst eingeräumt und der Politik den Schwarzen Peter zugeschoben. Die Steuergesetze seien für die Finanzämter nicht mehr verständlich/anwendbar. Da ist doch echt was faul im Staate „Bunte Republik“.

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Als ich vorhin nach hause kam, fand ich meine Wohnung unverhoffter Weise plötzlich im Sperrgebiet wieder. Ohne Ausweis keine Heimkehr. Einen Nachbarn, der nur mit Zweitwohnsitz hier gemeldet ist, hat die Polizei bis zur Haustür begleitet.

Ein wenig übertrieben fand ich das ja doch, und vor allem ärgerte ich mich darüber, daß es keinerlei Ankündigung gab. Im Sperrgebiet sollte man Gäste vorher anmelden, damit die rein und raus kommen. Aber wir lagen ja nicht im Sperrgebiet…

Anderthalb Stunden später war von der selbst für den Papstbesuch extremen Polizeianhäufung nicht mehr (so) viel übrig. Hatten die nur Langeweile? Oder lag es an anderen unverhofften Ereignissen in der Nähe?

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Vincentius Lerinensis kotzt sich in der Regel über Dinge aus, die ihn aufregen. Und heute muß er sich mal über darüber auskotzen, daß so viele sich ständig nur über alles mögliche auskotzen. (Man beachte die postomoderne Dialektik 🙂

Ich bin kein Freund von Euphemismen. Man soll die Situation so darstellen, wie sie ist. Das bedeutet natürlich auch: wie man sie empfindet. Und es bedeutet unter Umständen auch, die Situation schlechter darzustellen, als sie ist.

Wenn das aber, wie bei manchen Leuten, zur Regel wird und zu einer grundlegenden Haltung, dann scheint mir die Sache doch nach hinten loszugehen. Natürlich können sie nichtsdestoweniger recht haben, aber ihre Motivationsfähigkeiten tendieren gegen Null. Wer fordert, das und das ist zu tun, aber keine andere Motivation als „es ist richtig, und auch wenn wir die falsche Entwicklung nicht aufhalten werden, haben wir wenigstens für die Wahrheit Zeugnis abgelegt“ (so richtig das ist!) hat, braucht sich nicht zu wundern, wenn seine „Motivation“ zu einer sich (selbst) erfüllenden Prophetie wird. „Wir sind wenige, aber wir vertreten die Wahrheit, und der Wahrheit gehört (über kurz oder lang) die Zukunft“, klingt doch gleich viel besser…

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OMG!

Da krame ich doch nochmal das hier raus. Ich möchte nicht wissen, wie die „Noch-Ehefrau“ reagiert, wenn sie dereinst die „Ex“-Ehefrau ist und ihr „Ex“-Ehemann dann auch noch mit offizieller kirchlicher Zustimmung zur Kommunion geht. Die Diskussion bleibt meines Erachtens immer noch unterkomplex. Zumindest das, was in der Öffentlichkeit geäußert wird.

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Sie haben es also getan. Sie haben sich nach 18 Jahren beteuerter Unschuld schuldig bekannt, um gleich darauf freigelassen zu werden. Geht es eigentlich noch absurder?

Sie, das sind Damien Echols, Jessie Misskelley, Jr. und Jason Baldwin, besser bekannt als die „West Memphis Three“ (ausführlicher und mit vielen Verweisen, aber auch konfuser auf englisch). 1993 sollen sie, selbst erst zwischen 16 und 18 Jahren alt, drei Kinder ermordet haben.

An ihrer Schuld gibt es jedoch von Anfang an Zweifel, von gravierenden Ermittlungsfehlern der Polizei, die Spuren und möglichen Verdächtigen nicht nachging sowie wegen Unerfahrenheit möglicherweise Spuren zerstörte, über in der öffentlichen Diskussion eine maßgebliche Rolle spielende, in Bezug auf die später Verurteilten nicht völlig unbegründete, aber kaum mit dem Verbrechen zusammenzubringende und ziemlich krude Geschichten über Metal, Satanismus und Wicca bis hin zu DNA-Spuren, die auf einen anderen Täter aus dem familiären Umfeld eines der Opfer hinzudeuten scheinen. Verurteilt wurden die drei auch nicht wegen schlagender Beweise, sondern vor allem aufgrund von Indizien und eines später widerrufenen Geständnisses von Jessie Misskelley in Polizeiverhören. Angeblich gab Jessie Misskelley in diesen Verhören auch Täterwissen preis.

Nun hatten sie die Wahl, sich in einem Deal mit der Staatsanwaltschaft schuldig zu bekennen und freigelassen zu werden, oder einem Wiederaufnahmeverfahren entgegenzusehen, das wohl ab Dezember hätte anlaufen können. Sie haben sich nun für den Deal entschieden, aufgrund ihrer Erfahrungen mit dem Rechtssystem wohl nur sehr nachvollziehbar.

Ich habe mit diesem Deal so meine Probleme, denn es geht dabei nicht um die Wahrheit. Nicht nur werden sie Zeit ihres Lebens für die einen als Mörder, für die anderen als Opfer eines Justizskandals gelten, mit Mitte 30 ohne ernsthafte berufliche Perspektive und vorbestraft auf der Straße stehen und selbst bei später erwiesener Unschuld keine Möglichkeit haben, den Staat wegen ihrer Zeit in Haft zu verklagen (sie haben sich ja schuldig bekannt!). Sondern die Wahrheit wird auch nie ans Licht kommen, das Verbrechen wird de facto ungeklärt bleiben, obwohl es juristisch abgeschlossen scheint. Im schlimmsten Fall wird der wahre Täter ungestraft davonkommen. Zumindest in dieser Welt.

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