5 comments on “JFTR: KAR-Donnerstag

  1. >>Letzteres ergibt aber einfach keinen Sinn, denn von Ostersonntag bis zum Weißen Sonntag ist schon Osteroktav.

    Entschuldige den Nachtrag, aber die Osteroktav ist gerade der *Grund* für das Auferstehungstriduum, nämlich auf Grund der Gepflogenheit, die ersten drei Tage (und den Schlußtag) der Oktav noch feierlicher zu feiern als die übrigen. Deswegen ist ja auch der Ostermontag Feiertag. (In einer ähnlichen Überlegung hat man sich gedacht, daß der Ostermontag eben *noch* feierlicher ist als der Osterdienstag und daher, wenn man den Leuten schon nicht so viel arbeitsfrei geben will, man an letzterem wieder arbeitet.)

    Und wenn es so ein Auferstehungstriduum gibt, ist es nicht unnaheliegend, auch ein Leidenstriduum zu feiern, zumal ja das Leiden und die Auferstehung durchaus als voneinander unterschieden betrachtet werden *können* – auch wenn sie im eigentlichen Ostertriduum zusammenhängen.

    Nicht alles, was sekundär ist, ist deshalb schon gleich falsch.

    • „Falsch“ war jetzt Deine Interpretation. Sinn ergibt es trotzdem nicht. Oktav bedeutet, acht Tage in Folge dasselbe Fest auf dieselbe Weise zu feiern, mit leichter Hervorhebung des ersten und des achten Tages als Anfang und Ende des Festes (lies nach bereits bei Levitikus). Die „Gepflogenheit“ einzelne Tage dazwischen gegenüber den anderen Tagen hervorzuheben, ist bereits eine Deformation. Historisch ist auch das Auferstehungstriduum aus dem Leidenstriduum — das ja ein Fundament in der Sache hat — entstanden und nicht andersrum.

      • Levitikus ist erstens altes Zeremonialgesetz, also nur Vorbild, nicht Vorschrift für unsere Feste, und zweitens selbst wenn es das wäre, verböte es nicht, dazwischen auch noch andere Tage hervorzuheben. was nebenbei bemerkt zumindest heute die Juden außerhalb Israels regelmäßig für den zweiten Oktavtag auch tun (diese Praxis müßte schon mit der babylonischen Gefangenschaft angefangen haben, diesbezüglich bin ich aber unsicher).

        (Daß das Leidenstriduum eher da war, wußte ich nicht.)

        • Genau als das Vorbild habe ich Levitikus auch angeführt, denn ich behaupte nicht, daß das doppelte Triduum falsch (=verboten) ist, sondern daß es keinen Sinn ergibt. Kann man so machen, muß man aber auch nicht – und sollte man m.E. auch nicht.

          Wenn Oktav, dann richtig: Also acht Tage durchfeiern, inkl. arbeitsfrei, oder aber den ersten und den letzten Tag herausheben, die Tage dazwischen trotz notwendiger Arbeit feierlicher begehen (wie wir das ja an genug Hochfesten tun). Alles andere zerstört letzten Endes das Gespür für die Oktav, insofern eine unbegründete (und insofern keinen Sinn ergebende) Abstufung zwischen Montag, Dienstag und Mittwoch bis Samstag eingeführt wird. Was sich auch ganz gut daran zeigen läßt, daß der Dienstag als dritter Tag des Triduums schon früher weggefallen ist.

          Dass zwischen Oktav und zweitem Feiertag schon kein Zusammenhang mehr gesehen wird, zeigt sich auch sehr schön am Pfingstmontag. Die Pfingstoktav ist abgeschafft, der Pfingstmontag ist (in den deutschen Diözesen) aber gebotener Feiertag.

          Um nochmal auf das Anliegen des ursprünglichen Posts zurückzukommen:

          1. Die liturgischen Bücher listen den Gründonnerstag unter der Überschrift „Sacrum Triduum“.
          2. Das legt(e mir) die Annahme nahe, daß der Gründonnerstag der erste Tag dieses Triduums war.
          3. Da der letzte Tag dieses Triduums der Ostersonntag ist, stand ich vor dem Problem, daß das Triduum aus vier Tagen bestand.
          4. Einer der vier Tage mußte also aus dem Triduum rausfallen. Da der Karsamstag der einzige Tag ohne große liturgische Feier war und die großen liturgischen Feiern genau drei sind (Abendmahlsmesse, Karfreitagsliturgie, Osternacht), fiel in meinem Denken immer der Karsamstag raus.
          5. Irgendwann habe ich dann gerafft, daß der Karsamstag als Tag der Grabesruhe gerade Teil des Triduums ist.
          6. Anhand des Stundenbuches, das tatsächlich einen Donnerstag der Karwoche kennt, ist mir dann seeeehr viel später klargeworden, daß es tatsächlich der Donnerstag ist, den ich aus dem Triduum streichen muß. Das Triduum beginnt nach den liturgischen Büchern am Abend des Donnerstags.
          7. Das ergab jetzt plötzlich Sinn: drei Tage, Karfreitag, Karsamstag, Ostersonntag, bilden das Triduum; nach alter Tradition aber beginnen hohe Feste am Vorabend, und dieser Vorabend hat beim Sacrum Triduum einen eigenen Namen: Gründonnerstag.

          So ergibt das alles Sinn. Wenn ich anders rangehe, ergibt irgendwannn die Osternacht am Karsamstag früh Sinn. Heißt nicht, daß das alles bei schwerer Sünde verboten ist, obwohl es die Kirche zeitweise so anordnete, heißt aber, daß das sehr wohl den inneren Sinn verdunkelt.

          • >>Wenn ich anders rangehe, ergibt irgendwann die Osternacht am Karsamstag früh Sinn.

            Die die Kirche ja immerhin mindestens fünf Jahrhunderte lang genau so gefeiert hat, übrigens in seltener Einigkeit mit den ganz anderen Liturgien des Ostens, katholisch oder nicht; und während der der emeritierte Papst Benedikt getauft wurde, dem später zu dieser „vorgezogenen Vigil“ eine ganz faszinierende Bedeutung einfiel…

            Damit möchte ich übrigens nichts gegen die liturgische Bewegung sagen; nur gegen die Auffassung, ihre Reformen wären *deshalb* nötig gewesen, weil das vorherige *wirklich völlig verkehrt* und ein jahrhunderte lang währender Mißbrauch gewesen wäre.

            Aber sehr verspätet:

            >>ich behaupte nicht, daß das doppelte Triduum falsch (=verboten) ist[…]. Kann man so machen

            mehr wollte ich hier gar nicht sagen.

            [Zumal ich hauptsächlich an das „was ist heut für ein Tag, was feiern wir denn da so“ gedacht habe, wo es selbstverständlich völlig problemlos möglich ist, neben dem eigentlichen Triduum, und das ist *selbstverständlich* das von Gründonnerstagabend bis Ostersonntag, auch noch nebenher an ein Leidens-Triduum und ein Auferstehungs-Triduum zu denken.]

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